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Hartenfels: schwerer Unfall forderte zweites Todesopfer

18-jähriger Schwerstverletzter verstarb im Krankenhaus - Anwohner und Ersthelfer fordern "ergebnisoffene Prüfung" zur Verhinderung weiterer Unfälle

Harrtenfels | 1. September 2026 | (ww). Mehrere Tage nach dem schweren Unfall am Ortseingang von Hartenfels aus Richtung Steinen (56aktuell berichtete) ist ein zweiter junger Mann im Krankenhaus gestorben. Der 18-jährige Beifahrer des Unfallfahrzeugs erlag laut Abgaben des Polizeipräsidiums Koblenz in der Woche nach dem Unfall seinen Verletzungen. Der Unfall hatte sich am frühen Morgen des 23. August ereignet. Vier junge Männer – zwischen 16 und 18 Jahre alt – waren auf der K138 mit dem Auto seitlich gegen einen Baum geprallt. Ein 18-Jähriger, offenbar der Fahrer des Unfallfahrzeugs, starb noch an der Unfallstelle. Wie jetzt bekannt wurde, erlag ein Beifahrer am 28. August im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Die beiden anderen Insassen wurden nach Polizeiangaben schwer verletzt, ein weiteres Fahrzeug war laut Polizei nicht in den Unfall involviert.

Nach dem Unfall auf der K 138 sind bei den unmittelbaren Anwohnern Trauer, Bestürzung und große Sorgen um die Verkehrssicherheit geblieben. Die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang dauern an, ein Gutachter wurde noch in der Unfallnacht hinzugezogen. Für eine Familie, die unmittelbar an der Unfallstelle wohnt, ist das Geschehen besonders einschneidend. Das Fahrzeug kam nur wenige Meter neben deren Wohnhaus zum Stillstand. Ralf Steube, seine Tochter und sein Schwiegersohn waren unmittelbar nach dem Unfall als Ersthelfer am völlig zerstörten Fahrzeug. „Was wir in dieser Nacht erlebt und gesehen haben, lässt sich nur schwer in Worte fassen“, berichtet Steube. Die Geräusche, Bilder und Erinnerungen an die erste Hilfe vor Ort seien weiterhin präsent.
Besonders belastend sei, dass sich der Unfall praktisch vor den Schlafzimmerfenstern der Familie ereignet habe – und das nicht zum ersten Mal.

Bereits Ende 2020 war im Bereich des Ortseingangs ein Fahrzeug von der Fahrbahn abgekommen. Zwei junge Männer wurden damals schwer verletzt. Auch im vergangenen Winter prallte auf glatter Fahrbahn an der gleichen Stelle wie am 23. August ein Fahrzeug gegen einen Baum, die Fahrerin wurde ebenfalls schwer verletzt. Auch bei diesen Unfällen war Ralf Steube, der unmittelbar an der Unfallstelle wohnt und selbst bei der Feuerwehr tätig ist, als einer der ersten Helfer vor Ort. Für die Familie ist die erneute schwere Kollision deshalb mehr als ein isoliertes Ereignis. „Wir haben das bereits 2020 erlebt, damals wurden Menschen schwer verletzt. Jetzt mussten wir das Schlimmste praktisch miterleben, wir waren schon beim Bremsen hellwach, dann kam der Einschlag. Diesmal haben – wie jetzt bekannt wurde – gleich zwei junge Menschen trotz aller Bemühungen vor Ort ihr Leben verloren. Wir leben unmittelbar an dieser Straße – mit allen Konsequenzen“, so Steube. Nach dem Unfall von 2020 war die Situation bereits vor Ort durch die Verkehrsunfallkommission, bestehend aus Mitgliedern der
polizeilichen Verkehrsberatung, der Kreisverkehrsbehörde, des Landesbetriebs Mobilität und der Straßenmeisterei, thematisiert worden. Unter anderem wurde eine Geschwindigkeitsanzeigetafel aufgestellt. Die Anwohner der Straße begrüßten diese Maßnahme, sehen darin jedoch keine wirkliche Lösung.

 

Anlieger: „Wir können und wollen nicht auf den nächsten Unfall warten“

Die Anwohner wollen weder die aktuellen Ermittlungsergebnisse vorwegnehmen, noch Behörden oder Verkehrsteilnehmern eine Schuld zuweisen. Ihr Anliegen sei vielmehr eine unabhängige und fachliche Prüfung, ob der betreffende Abschnitt der K 138 besondere Gefahren aufweist und ob zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit möglich sind. Aus Sicht der Familie Steube gibt es dafür mittlerweile Anlass genug. Auf dem betreffenden Straßenabschnitt ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Unfällen gekommen, bei denen Fahrzeuge von der Fahrbahn abkamen, Orstkundige sehen hier eventuell einen Zusammenhang zwischen dem unbefestigten Fahrbahnrand und einer leichten Linkskurve (aus Richtung Steinen kommend). Dabei geht es den Anwohnern nicht ausschließlich um den Schutz der Verkehrsteilnehmer. Unmittelbar an die Straße grenzen Wohnhäuser und Grundstücke und vor allem verläuft direkt neben der Fahrbahn ein Weg, der von Fußgängern genutzt wird. In der direkten Umgebung leben mehrere Familien mit Kindern, diese seien oft in dem Bereich unterwegs – Leitplanken gibt es dort nicht. „Was passiert, wenn ein Fahrzeug beim nächsten Mal nicht an einem der Bäume prallt, sondern jemanden auf dem Fußweg erfasst oder in eines der Häuser kracht?“, fragt Steube.

Familie Steube und die weiteren Anlieger fordern deshalb eine erneute, ergebnisoffene Gesamtbetrachtung des Straßenabschnitts. Geprüft werden sollten aus
ihrer Sicht unter anderem das tatsächliche Geschwindigkeitsniveau, die Linienführung und Fahrbahnbreite, die Gestaltung des Ortseingangs sowie der Seitenraum der Straße. Auch die vorhandenen Bäume sowie andere feste Hindernisse sollten in die Betrachtung einbezogen werden. Darüber hinaus könnten bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung geprüft werden – etwa eine Fahrbahnverschwenkung, eine Fahrbahnverengung, ein geeigneter
Fahrbahnteiler oder andere Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung. Ebenso sollte untersucht werden, ob passive Schutzeinrichtungen zum
Schutz der angrenzenden Grundstücke sinnvoll und möglich sind. Neben Maßnahmen unmittelbar an der K 138 regen weitere Anwohner an, auch eine mögliche Verlagerung des Verkehrs über die vorhandene Industriestraße (Franz-Huf-Straße) fachlich zu untersuchen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, eine bestimmte Lösung vorzugeben. Vielmehr sollten alle denkbaren Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. „Wir erwarten nicht, dass eine von uns vorgeschlagene Maßnahme einfach umgesetzt wird. Wir erwarten aber, dass Fachleute alle Möglichkeiten prüfen – auch solche, an die wir als Anwohner vielleicht noch gar nicht gedacht haben“, erklärt Steube. Die Familie hat sich im Namen der Anwohner inzwischen schriftlich an die Kreisverwaltung des Westerwaldkreises, die zuständige Straßenverkehrsbehörde und Unfallkommission sowie den Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz gewandt. Weitere zuständige Stellen wurden über das Anliegen informiert.

Für die Familie steht dabei fest, dass die Ergebnisse der laufenden Ermittlungen zunächt abgwartet und dann in die fachliche Bewertung einfließen müssen. Gleichzeitig müsse Verkehrssicherheit aber auch bedeuten, aus vergangenen Ereignissen zu lernen und mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen. „Wir können und wollen nicht einfach auf den nächsten Unfall warten“, fasst Steube das Anliegen der Familie und der anderen Anwohner zusammen. Für seine Frau gehe es dabei längst nicht mehr nur um eine verkehrspolitische Frage. Seit Geburt lebe sie an dieser Straße und habe bereits mehrere tödliche Unfälle, dutzende Schwerverletzte und brennende Autos erlebt. Nach den jüngsten schweren Unfällen unmittelbar vor dem eigenen Zuhause habe sich auch das persönliche Sicherheitsgefühl verändert. „Wir möchten einfach wieder das Gefühl haben, dass unser Zuhause ein sicherer Ort ist. Für uns, aber auch im Sinne der Verkehrsteilnehmer“, so Steube. „Am Ende geht es doch darum, dass nicht irgendwann erneut an derselben Stelle die Frage gestellt werden muss, ob ein weiterer schwerer Unfall mit schwerverletzten oder gar Toten mit realtiv einfachen Mitteln hätte verhindert werden können.“