Home Blaulicht Suchen – Finden – Vertrauen: Ein Tag mit den Rettungshundestaffeln aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland

Suchen – Finden – Vertrauen: Ein Tag mit den Rettungshundestaffeln aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland

Rennerod | 12. September 2026 | Luca Weilberg. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein gewöhnlicher Waldabschnitt. Bäume, Wege, dichtes Unterholz. Doch an diesem Tag ist das Gelände Teil einer groß angelegten Übung für Rettungshundestaffeln. Überall sind Hundeführer mit ihren Tieren unterwegs, im Hintergrund laufen die Fäden bei der Einsatzleitung zusammen. Gesucht werden vermisste Personen, zwölf an der Zahl. Wo genau sie sich befinden, wissen die Suchtrupps nicht. Genau das macht die Übung realistisch.

Begleitet werden an diesem Tag Heike Böttcher, Sanitäterin, und Sonja Wolf, Hundeführerin und Leistungsrichterin der Rettungshundestaffel Rhein-Mosel e.V. im Bundesverband Rettungshunde. Mit dabei ist Lucy. Für sie ist das weitläufige Gelände kein gewöhniger Spaziergang. Sie soll mit ihrer Nase menschliche Witterung aufnehmen und eine versteckte Person anzeigen. Was für Außenstehende zunächst nach einem Hund aussieht, der scheinbar planlos durch den Wald läuft, ist für die Hundeführerin eine hochkonzentrierte Arbeit. Die Richtung, das Tempo und die Reaktion des Tieres liefern wichtige Hinweise.

Stephan Eutebach, Landesbeauftragter für das Thema Rettungshunde beim Bundesverband Rettungshunde für Rheinland-Pfalz und das Saarland, erklärt, vor welcher Herausforderung die Einsatzkräfte stehen. „Wir haben hier ein riesiges Areal zu bearbeiten, viele vermisste Personen“, sagt er. Die Einsatzleitung müsse das Gebiet deshalb zunächst in einzelne Einsatzabschnitte und Suchgebiete unterteilen. Anschließend werden die Teams gezielt eingesetzt. Denn die Hunde sind eine begrenzte Ressource. „Hunde sind hochspezialisiert, die wissen, wie sie da arbeiten müssen“, erklärt Eutebach. Würden sich zu viele Tiere gleichzeitig in einem Suchgebiet bewegen, könnte das die Arbeit erschweren. Deshalb kommt es auf eine möglichst effiziente Koordination an.


Das Übungsgelände bietet dafür ganz unterschiedliche Bedingungen. Waldflächen gehören zu den klassischen Suchgebieten, doch die Teams müssen sich auch auf offene Flächen, Gebäudestrukturen und Bunkeranlagen einstellen. Für Hund und Hundeführer bedeutet das ständig neue Herausforderungen. Niemand weiß im Vorfeld genau, wo sich die Versteckpersonen befinden oder wie der Hund auf die jeweilige Situation reagieren wird. „Wir vertrauen den Hunden und gucken, wie die Hunde jetzt in diesen unterschiedlichen Szenarien auf Herausforderungen, die wir denen gelegt haben, reagieren“, sagt Eutebach. Genau diese Ungewissheit ist gewollt.

Das angenommene Szenario ist ein Unwetter, das eine Veranstaltung überrascht hat. Die Teilnehmer suchen Schutz, doch nicht alle kehren zurück. Zwölf Menschen gelten als vermisst. Für die Rettungshundestaffeln beginnt damit ein Einsatz, der möglichst nah an der Realität liegt. Maik Späth von der Staffel Rheinland-Taunus übernimmt an diesem Tag die Rolle des Gesamteinsatzleiters. Gemeinsam mit seinem Team koordiniert er die Suchmaßnahmen aus dem Einsatzleitwagen heraus. „Wir haben gesagt, was passiert ist, im besten Falle wie viele Personen vermisst sind und dann das Großsuchgebiet“, erklärt er. Danach werden die einzelnen Suchbereiche festgelegt und die Teams auf den Weg geschickt.

Wenn Lucy schließlich eine Person findet, ändert sich die Situation innerhalb weniger Sekunden. Der Hund zeigt den Fund an, unter anderem durch Bellen. Für den Menschen bedeutet das: möglichst schnell zum Hund und zur gefundenen Person. Normalerweise würde anschließend die medizinische Erstversorgung beginnen. Ist die Person ansprechbar? Muss sie versorgt werden? Liegt möglicherweise eine Bewusstlosigkeit vor? Als Sanitäterin gehört genau dieser Teil der Rettungskette zu den Aufgaben von Heike Böttcher. Die Suche endet also nicht mit dem Fund. Erst wenn die vermisste Person versorgt und aus dem Gefahrenbereich gebracht werden kann, ist der Einsatz erfolgreich abgeschlossen.

Wie viel Training hinter einem solchen Einsatz steckt, wird deutlich, wenn man Kristin Klöckner zuhört. Sie befindet sich mit ihrem Dobermann Apollo noch in der Ausbildung und arbeitet bereits als Suchtrupphelferin bei Einsätzen. Jeden Sonntag verbringt sie rund sechs Stunden mit ihrem Hund im Wald. Dazu kommen weitere Trainingseinheiten unter der Woche. „Bei mir ist es so, dass ich jeden Sonntag die sechs Stunden im Wald verbringe und zusätzlich kommen montags noch so drei Stunden abends hinzu“, erzählt sie. Trainiert werden unter anderem Gehorsam, Geräte- und Gewandtheitsübungen sowie die eigentliche Suche nach Personen.

Für Klöckner ist genau diese Verbindung aus Hundearbeit und Ehrenamt der Grund, warum sie sich engagiert. „Ich wollte halt mit dem Hund was machen, was halt noch anderen Leuten hilft“, sagt sie. Es gehe ihr nicht darum, bei einer Sportart Erster, Zweiter oder Dritter zu werden. Ihr Hund habe eine gute Nase und solle diese Fähigkeit sinnvoll einsetzen. Gleichzeitig lerne auch sie selbst ständig dazu.

Dass eine solche Übung nicht nur für die einzelnen Teams wichtig ist, sondern auch für die Zusammenarbeit verschiedener Staffeln, betont Eutebach. Die Teilnehmer kommen teilweise aus unterschiedlichen Regionen und sind im normalen Einsatz nicht zwangsläufig ein eingespieltes Team. „Für uns ist wichtig, Zusammenarbeit zu trainieren“, sagt er. Im Ernstfall müsse man mit Menschen arbeiten können, die man vorher vielleicht noch nie getroffen habe. Unterschiedliche Vorgehensweisen, neue Absprachen und eine gemeinsame Suchstrategie müssten trotzdem funktionieren.

Unterstützt wird die Übung auch durch das Sanitätsregiment 2 Westerwald. Oberstabsarzt Jan Schuppert, Kommandeur des Regiments, sieht die Zusammenarbeit als Teil der regionalen Verantwortung. „Wir als Regiment verstehen uns hier im Westerwald einfach als Teil der Region und sind tief verwurzelt hier“, erklärt er. Deshalb freue es ihn, den Standortübungsplatz für die wichtige Arbeit der Rettungshundestaffeln zur Verfügung stellen zu können. Gerade bei größeren Schadenslagen könne die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen entscheidend sein.

Am Ende geht es bei all der Organisation, dem Training und der Technik um einen einfachen Zweck: Menschen zu finden. Die Hunde leisten dabei etwas, das kein Mensch in derselben Geschwindigkeit und Präzision könnte. Ihre Nase führt sie durch Wald, über offene Flächen und in schwer zugängliche Bereiche. Doch ohne ihre Hundeführer wären auch sie nicht einsatzfähig. Erst das Zusammenspiel aus Hund und Mensch, aus Suchtrupp, Einsatzleitung und Sanitätskräften macht aus einer Spur eine Rettung.

Lucy läuft an diesem Tag weiter durch das Gelände. Für sie ist es Training, für Sonja Wolf und die anderen Hundeführer eine Vorbereitung auf Situationen, in denen es irgendwann nicht mehr um eine Übung gehen könnte. Dann zählt jede Minute. Und dann soll das funktionieren, was hier immer wieder trainiert wird: suchen, finden und helfen.

Veranstaltungstipp: Die Rettungshundestaffel Rhein-Mosel e.V. feiert am 26. September 2026 ihr 25-jähriges Bestehen. Auf dem Marktplatz in Mayen können Besucher von 11 bis 18 Uhr die Arbeit der Staffel und ihrer Rettungshunde kennenlernen.