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Und plötzlich war die Kreisstraße nur noch Einbahnstraße

K8 zwischen Schweighausen und Becheln wegen baulicher Mängel nur noch in Richtung Becheln befahrbar - keine Ankündigung im Vorfeld

++Achtung – dieser Artikel enthält wertende und kommentierende Elemente, vor allem im letzten Abschnitt!++

Schweighausen / Becheln | 7. Oktober 2026 | Willi Willig. Mitten in der Stadt kommt es ja schon gelegentlich mal vor, dass man plötzlich vor einem Einbahnstraßenschild steht, wo man zuvor jahrelang gewohnheitsmäßig pendeln konnte. Einwohner und Besucher von Lahnstein zum Beispiel haben mit geänderter Verkehrsführung, gedrehten Einbahnstraßen und gefühlten oder individuell dann notwendigen Umwegen in der jüngeren Vergangenheit viel diskutierte Erfahrungen gesammelt. Doch eine plötzliche Einbahnstraßenregelung mitten auf dem Land? Inmitten von Feld, Wald und Wiesen? Das ist doch schon eher ungewöhnlich. Vor allem wenn das Ganze ohne jede Ankündigung, zwar nicht über Nacht, aber trotzdem aus heiterem Himmel erfolgt.

Am Dienstagnachmittag jedenfalls gingen in der 56aktuell-Redaktion die ersten Hinweise auf eine neue Verkehrsführung zwischen Schweighausen und Becheln ein. Plötzlich prangt an der Kreuzung von  L332 und K8 ein blaues Einbahnstraßenschild. Spekulationen machen die Runde, niemand weiß etwas Genaues. „Das könnte wegen Baumfällarbeiten sein“ lautet eine der Spekulationen in den 56aktuell-Gruppen auf Whatsapp. Die These löst sich aber schnell wieder in Luft auf, als bekannt wird: Nein, das ist nichts Provisorisches, an den Waldwegen entlang der K8 wurden Einbahnstraßenschilder fest montiert – das macht niemand bei einer vorübergehenden Maßnahme. Für eine Nachfrage bei den Behörden war es am Dienstag aber schon etwas zu spät.

Die Recherche dazu hat sich dann am Mittwoch-Vormittag in der Tat etwas kompliziert dargestellt. Haben wir eine Pressemeldung übersehen? Die Recherche beim LBM, bei der Kreisverwaltung und der Verbandsgemeindeverwaltung zeigt: Fehlanzeige – keine Ankündigung. Ein Anruf bei der Straßenmeisterei in Bad Ems bringt zunächst auch keine Klarheit: „Da liegt hier gar nichts vor“, so die erste Auskunft. Und auch mit der Handynummer des Streckenwartes, die freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, bleibt die erwünschte Information zunächst aus:  der Handyanschluss ist „momentan nicht erreichbar“. Das hätte je nach Netzanbieter sogar daraufhin deuten können, dass dieser gerade im Bereich Schweighausen unterwegs wäre. Auch im Mobilitätsatlas Rheinland-Pfalz gibt es keinen Eintrag. Die K8 wäre nach den Angaben dort – und da sind (eigentlich) alle Sperrungen, Baustellen und Ähnliches verzeichnet – uneingeschränkt befahrbar. Bleibt die telefonische Nachfrage bei möglicherweise beteiligten Behörden. Kreisverwaltung: nur die freundliche Stimme, die informiert, dass alle Leitungen belegt sind. Verbandsgemeinde: zuständiger Mitarbeiter gerade im Haus unterwegs.

 

Bleiben die gewöhnlich gut informierten Menschen auf der ehrenamtlichen Schiene, Stefan Hofmann, Ortsbürgermeister von Schweighausen ist ausnahmsweise mal nicht direkt zu erreichen (das meine ich wörtlich so!). Michaela Lehmler, Ortsbürgermeisterin von Becheln sagt am 56aktuell-Telefon: „Von der Einbahnstraßenregelung habe ich auch nur über Facebook erfahren. Informiert wurde die Gemeinde nicht.“ Doch noch während ich mich wundere klingelt das Telefon und die Straßenmeisterei ruft noch einmal an.  „Das hat mir keine Ruhe gelassen“, so der freundliche Herr am Telefon. Die intensive, interne Suche brachte Erstaunliches ans Licht. Die Kreisverwaltung Rhein-Lahn habe die Einbahnstraßenregelung auf Dauer verfügt, der Zustand der K8 sei so schlecht, dass ein weiterer Betrieb im Gegenverkehr nicht möglich sei. Die K8 sei ab sofort dauerhaft Einbahnstraße, eine Sanierung nicht geplant.

Noch bevor sich diese Information endgültig gesetzt hat, klingelt das Telefon ein zweites Mal. „Die Gemeinde Schweighausen wurde auch nicht informiert, ich kann es mir aber denken“, verrät Stefan Hofmann. Am 17. September war Verkehrsschau in „Schweigese“, das ist der Termin bei der alle Fragen rund um den Verkehr mit dem jeweiligen Ortsbürgermeister erörtert werden. Polizei, ADAC, Kreisverwaltung, Ordnungsamt – großer Bahnhof also. Die K8 ist da allerdings nur kurz Thema, weil Hofmann selbst zu einem Unfallschwerpunkt, der Kreuzung von L332 und K8 einen echt guten Vorschlag hat: weil es dort wegen der eingeschränkten Sicht beim Abbiegen aus Richtung Becheln nach Nassau immer wieder zu schweren Unfällen kommt, schlägt der Ortschef vor, den Erdhügel, der den Blick einschränkt, um einen guten Meter abzutragen. Die wahrscheinlich sehr wirkungsvolle Idee ist aber schnell wieder vom Tisch, weil ein LBM-Vertreter laut Hofmann informiert: „Das macht keinen Sinn mehr, die K8 ist sowieso über kurz oder lang zu“. Den erfahrenen Orts-Chef wundert das zunächst nicht, die Bemühungen das eigene, jahrzehntelang vernachlässigte Kreisstraßennetz auf die Ortsgemeinden zu übertragen sind in diversen Gemeinderäten immer wieder Thema, an allen Ecken des Kreises. Über die gestern installierte Einbahnstraßenregelung wurde Hofmann allerdings auch nicht informiert. „Es gibt aber auch ganz viele Wegeringhausener, die von zu Hause aus auch auf dem Weg nach Bad Ems oder Lahnstein, sowieso schon erst über die L332 Richtung Dachsenhausen fahren und dann nach Becheln einbiegen, seitdem diese Strecke saniert ist, ist sie einfach angenehmere zu fahren“. Daran wird wahrscheinlich auch die aktuelle Einbahnregelung nichts ändern – obwohl sie ja immer noch die kürzere Variante in dieser Richtung  wäre. „Aber in Sachen Unfallschwerpunkt-Kreuzung wird das jetzt wohl unbeabsichtigt helfen“, schmunzelt Hofmann. „Linksabbiegen in Richtung Nassau ist ja nun Geschichte. Ich glaube auch nicht, dass das nochmal geändert wird. Ich gehe allerdings davon aus, dass die K8 noch ein bis zwei Winter hat und dann wegen leerer Kassen komplett gesperrt wird“.  Das klingt leider sehr wahrscheinlich.

Neben der leider durch Kreisverwaltung und LBM nicht erfolgten Vorab-Information, lässt allerdings auch die Umsetzung der Maßnahme zu wünschen übrig. Vor allem im Bereich der nun gesperrten Einfahrt in der Nähe des Bechelner Friedhofs fehlen Vorwegweiser gänzlich. Bei der Armada von Richtungsweisern, die an Feld-, Wald und Wiesenwege-Einfahrten auf die K8, montiert wurden, wäre ein geradeaus weisender, weißer Pfeil auf blauem Grund in Richtung Sulzbach an der Abbiegung in Richtung Schweighausen sicher sinnvoll gewesen. Das zeigt der Praxistest vor Ort recht schnell: abbiegende Autos bremsen plötzlich sehr abrupt vor Warnbake und Einbahnstraße – Einfahrt verboten-Beschilderung. Dabei wäre sogar noch ein Exemplar bei der Installation der neuen Verkehrsführung übrig gewesen, das ist nämlich am untersten Feldweg falsch montiert worden. Doch sei`s drum – viel schwerer wiegt, dass die Sache einmal mehr nicht zu Ende gedacht wurde. Wer einmal am Bechelner Friedhof abbiegt und nach Nassau will, der fuhr – Ortskenntnis vorausgesetzt – wohl meist zunächst nach Schweighausen und an oben erwähnter Kreuzung mit schlechter Einsicht dann nach links in Richtung Nassau. Erstens ist die Straße über Sulzbach und Dienethal (K6) in einem noch erbärmlicheren Zustand als die K8 und an vielen Stellen noch schmaler. Zweitens muss man gleich durch zwei enge Ortsdurchfahrten fahren. Und drittens ist sie ab morgen erst mal wegen einer Baustelle gesperrt. Doch die ist nur temporär – anders dagegen, die Problem, die die Einbahnregelung für die Landwirtschaft aufwirft. Schon heute ist für Landwirt Oliver Alberti mit einem bewirtschafteten Hof bei Dornholzhausen und einem bei Becheln und darüber hinaus einigen Feldern an der K8 die Situation rechtskonform eigentlich gar nicht zu lösen. Wenn er mit Traktor und Anbaugeräten jedes mal „die große Runde über Becheln und bis zum Abzweig der L332 vor Dachsenhausen fahren muss, anstatt mal eben vom Waldrand wieder runter zur Kreuzung und zum Heimathof zu fahren, dann ist das schon schwierig. Kompliziert, sehr zeitaufwändig und in diesen Zeiten auch noch teuer – vom klimaschädlichen, unnötigen Umweg mal ganz abgesehen -wird es wenn er tonnen- und tageweise Silage von Becheln nach Dornholzhausen bringen muss. Ganz zu schweigen davon, dass er mit dem Gespann ganz sicher zur Bremse auf der Umleitung wird.

Nun werden die Herren, die diese famose Idee entwickelt haben sicher sagen: dazu gab es keine Alternative. Doch die gab es sicherlich. Und zwar schon für Jahrzehnte: eine Kreisverwaltung, die ihre Aufgaben erfüllt und sich um den Erhalt ihrer Straßen kümmert – bevor zahlreiche Winter ohne echte Schlaglochsanierung jede Straße komplett zerstören! Getreu dem leicht abgewandelten Sprichwort: „Wer sich nicht kümmert zur rechten Zeit – der wird sehn, was übrig bleibt!“ Wobei die K8 definitiv noch lange nicht die schlechteste Kreis-oder Landesstraße im Rhein-Lahn-Kreis ist. Aber mit ein paar weiteren Einbahnstraßenschildern wird sich das Problem sicher beheben lassen – und wenn nicht, dann drückt man die marode Straße ganz einfach einer Gemeinde auf, die dann immer noch weiterhin die gleiche horrende Kreisumlage zahlen muss.