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Zwischen Gedenken und Zusammenhalt

Blaulicht-Wallfahrt erinnert an Hermann Doneth

Kamp-Bornhofen | 25. Oktober 2026 | Luca Weilberg. Wenn Einsatzkräfte zu einem Brand, einem schweren Unfall oder einer Katastrophe gerufen werden, steht für sie zunächst eines im Vordergrund: Menschen zu helfen, Gefahren abzuwenden und weitere Schäden zu verhindern. Doch Einsätze können auch für diejenigen gefährlich werden, die anderen zur Hilfe kommen. Und manchmal enden sie für die Helfer selbst tödlich.

Wie tief solche Ereignisse eine Region prägen können, zeigt die Geschichte des Niederlahnsteiner Brandmeisters Hermann Doneth. Er kam 1949 bei den Löscharbeiten eines Großbrandes im Franziskanerkloster Bornhofen ums Leben. Mehr als sieben Jahrzehnte später erinnert die Blaulicht-Wallfahrt in Kamp-Bornhofen an ihn und an alle Einsatzkräfte, die bei der Erfüllung ihrer Aufgaben ihr Leben verloren haben.

Am Sonntag, 25. Oktober 2026, kamen Angehörige verschiedener Blaulichtorganisationen zur traditionellen Wallfahrt am Franziskanerkloster zusammen. Neben dem religiösen Gedenken rückte in diesem Jahr auch ein Thema in den Mittelpunkt, das nach schweren Unglücken immer wieder an Bedeutung gewinnt: die Notfallseelsorge.

Eine Novembernacht, die alles veränderte

Am Abend des 22. November 1949 brach im traditionsreichen Franziskanerkloster Bornhofen ein verheerendes Feuer aus. Die Flammen breiteten sich rasch aus und entwickelten sich zu einem Großbrand, der die Einsatzkräfte vor erhebliche Herausforderungen stellte. Auch die angrenzende Wallfahrtskirche war gefährdet.

Die damalige Tageszeitung „Rhein-Post“ beschrieb das Ausmaß des Feuers eindrücklich: „Bereits nach einer halben Stunde brannte der gesamte Dachstuhl“. Durch den starken Funkenflug sei der gesamte Ortsteil Bornhofen gefährdet gewesen. Die mittlerweile aus den Nachbarorten eingetroffenen Feuerwehren hätten jedoch verhindern können, dass sich die Flammen auf die umliegenden Häuser ausbreiteten.

Die Lage war so ernst, dass zahlreiche Feuerwehren aus der weiteren Umgebung zur Unterstützung anrückten. Hilfe kam unter anderem aus den Orten entlang des Rheins – von St. Goarshausen bis nach Neuwied und Andernach. Die Einsatzkräfte arbeiteten gemeinsam daran, den Brand unter Kontrolle zu bringen und weitere Schäden zu verhindern.

Die Bedingungen waren schwierig. Dichte Rauchwolken behinderten die Feuerwehrleute bei ihren Arbeiten, während sich das Feuer im oberen Teil des Klostergebäudes ausbreitete. Erst nach vielen Stunden gelang es, den Brand einzudämmen.

Die unteren Stockwerke des Klosters konnten erhalten werden. Auch das Kircheninnere blieb trotz der erheblichen Schäden weitgehend vom Feuer verschont. Allerdings verursachte der Absturz einer neuen Glocke einen weiteren Brand in der Kirche. Der Dachstuhl und Teile des oberen Klostergebäudes wurden schwer beschädigt. Das Kloster konnte später wieder aufgebaut werden.

Hermann Doneth kehrte nicht mehr zurück

Unter den Feuerwehrleuten, die in jener Nacht nach Bornhofen gekommen waren, befand sich Hermann Doneth. Er war Brandmeister und stellvertretender Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Niederlahnstein.

Während der gefährlichen Löscharbeiten befand sich Doneth im Inneren des Klosters. Plötzlich stürzte die Decke eines Zimmers ein. Die herabfallenden Trümmer verletzten den Feuerwehrmann schwer und begruben ihn unter sich.

Seine Kameraden bemühten sich, ihn aus der Unglücksstelle zu bergen. Nach längerer Arbeit konnten sie Doneth befreien und in ein nahegelegenes Hotel bringen. Dort kümmerten sich zwei Ärzte um den Schwerverletzten. Doch trotz ihrer Bemühungen überlebte er den Einsatz nicht.

Für seine Familie und die Kameraden der Feuerwehr war sein Tod ein schwerer Verlust. Doneth war zu einem Einsatz ausgerückt, um anderen zu helfen. Dass er selbst dabei sein Leben verlieren würde, konnte niemand vorhersehen.

Sein Tod wurde zu einem Ereignis, das die Feuerwehren der Region nachhaltig prägte. Er machte deutlich, welchen Gefahren Einsatzkräfte ausgesetzt sein können – selbst dann, wenn sie mit dem Ziel ausrücken, Menschen zu schützen und größere Schäden zu verhindern.

Ein Gedenken, das über Generationen weiterlebt

Der Tod von Hermann Doneth blieb in der Region in Erinnerung. Für die Freiwilligen Feuerwehren der Rheinorte zwischen Niederlahnstein und Kaub wurde das Unglück zum Anlass, regelmäßig an einem Gedächtnisgottesdienst teilzunehmen.

Bis heute erinnern verschiedene Gedenkorte an den tödlich verunglückten Brandmeister. In Lahnstein trägt eine Straße beim Feuerwehrgerätehaus der Wache Süd seinen Namen. In Bornhofen erinnert ein Kreuz an den Feuerwehrmann, der bei den Löscharbeiten sein Leben verlor.

Aus dem Gedenken an Doneth entwickelte sich eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird: die Blaulicht-Wallfahrt am Franziskanerkloster in Kamp-Bornhofen.

Was einst vor allem die Feuerwehrleute aus den umliegenden Orten zusammenführte, ist inzwischen auch für Angehörige weiterer Hilfsorganisationen eine Gelegenheit zur Begegnung. Neben Feuerwehrleuten nehmen heute unter anderem Angehörige der Polizei, des Rettungsdienstes und des Technischen Hilfswerks teil.

Die Wallfahrt erinnert damit nicht nur an einen einzelnen tragischen Einsatz. Sie steht auch für das gemeinsame Gedenken an Menschen, die bei ihrer Arbeit für die Allgemeinheit ums Leben gekommen sind.

Die Blaulicht-Wallfahrt 2026

Die diesjährige Wallfahrt begann am Sonntagmorgen um 10 Uhr im Antoniusgarten neben dem Franziskanerkloster. Von dort aus führte die Prozession zur Pilgerhalle, wo ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert wurde. Die musikalische Gestaltung übernahm die Feuerwehrkapelle Dahlheim.

Eingeladen hatten die Franziskaner des Klosters Bornhofen, der Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz, der Kreisfeuerwehrverband Rhein-Lahn sowie die Feuerwehren aus Bad Honnef, Lahnstein und Kamp-Bornhofen.

Die Zusammenkunft bietet Gelegenheit, innezuhalten und an die Menschen zu erinnern, die bei Einsätzen ihr Leben verloren haben. Gleichzeitig kommen Angehörige unterschiedlicher Organisationen zusammen, deren Aufgaben sich im Ernstfall häufig überschneiden.

Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und THW übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Wenn es zu schweren Unglücken kommt, müssen sie jedoch zusammenarbeiten und sich aufeinander verlassen können. Hinter den Uniformen und Einsatzfahrzeugen stehen Menschen, die mitunter innerhalb weniger Augenblicke mit Situationen konfrontiert werden, die sich tief in ihr Gedächtnis einprägen.

Notfallseelsorge: Wenn ein Unglück Spuren hinterlässt

Im Anschluss an die Wallfahrt war ein öffentliches Forum unter dem Titel „Notfallseelsorge – es kann jeden treffen“ angekündigt. Im fünften Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal sollte dabei die Unterstützung von Menschen nach belastenden Ereignissen thematisiert werden. Rund um das Kloster war außerdem Gelegenheit zum Austausch und zu persönlichen Gesprächen vorgesehen.

Wie wichtig solche Angebote sein können, zeigen nicht nur große Katastrophen. Auch schwere Verkehrsunfälle, Brände oder andere Unglücke können Betroffene, Angehörige, Augenzeugen und zufällig anwesende Menschen emotional stark belasten. Manchmal reichen wenige Augenblicke, um den gewohnten Alltag grundlegend zu verändern.

Notfallseelsorge bietet Menschen in solchen Situationen Unterstützung. Sie kann helfen, das unmittelbar Erlebte einzuordnen, erste Orientierung zu finden und mit einer außergewöhnlichen Belastung nicht allein zu bleiben. Auch Einsatzkräfte können nach besonders schwierigen Einsätzen Gesprächsbedarf haben.

Die Ahrflut hat vielen Menschen vor Augen geführt, wie lange die Folgen einer Katastrophe nachwirken können. Neben den unmittelbaren körperlichen und materiellen Schäden bleiben bei Betroffenen und Helfern mitunter auch seelische Belastungen zurück. Die Beschäftigung mit Notfallseelsorge schlägt deshalb eine Brücke zwischen dem historischen Gedenken in Bornhofen und den Herausforderungen heutiger Einsatzkräfte.

Unterstützung nach dem Unfall auf dem Oktobermarkt

Wie wichtig solche Hilfsangebote sind, zeigt auch der schwere Unfall mit einer eingestürzten Metalltraverse auf dem Oktobermarkt in Nastätten (wir berichteten). Die Stadt und die Verbandsgemeinde bieten gemeinsam mit der Notfallseelsorge Rhein-Lahn-Westerwald Unterstützung für Betroffene, Augenzeugen und Passanten an. Unter 06772 / 80288 24 ist die Notfallseelsorge erreichbar. Zudem steht die evangelische Kirche für persönliche Gespräche und als Ort des Rückzugs offen.

Erinnerung bedeutet auch Verantwortung

Der Großbrand von Bornhofen liegt mehr als sieben Jahrzehnte zurück. Die Technik, die Einsatzbedingungen und die Möglichkeiten der Gefahrenabwehr haben sich seitdem erheblich verändert. Geblieben ist jedoch die Verantwortung der Menschen, die sich für andere einsetzen – und das Risiko, dem sie dabei mitunter ausgesetzt sind.

Hermann Doneth konnte nach dem Einsturz der Decke nicht mehr gerettet werden. Sein Name steht bis heute für einen Feuerwehrmann, der bei der Erfüllung seiner Aufgabe ums Leben kam. Die Blaulicht-Wallfahrt hält diese Erinnerung lebendig und gibt zugleich Raum für Begegnung zwischen den Menschen, die heute Verantwortung im Einsatzdienst übernehmen.

Das Gedenken richtet sich dabei nicht allein in die Vergangenheit. Es erinnert auch an die Menschen hinter den Uniformen, an ihre Kameradschaft und an die Erfahrungen, die sie aus ihrem Dienst mitnehmen. Es macht deutlich, dass Hilfe nicht immer mit dem Ende eines Einsatzes abgeschlossen ist und dass auch diejenigen Unterstützung brauchen können, die anderen zur Seite stehen.

Die Blaulicht-Wallfahrt verbindet so das Erinnern an Hermann Doneth mit einer Aufgabe, die bis heute aktuell ist: Menschen in schwierigen Situationen beizustehen, füreinander Verantwortung zu übernehmen und diejenigen nicht allein zu lassen, die Hilfe benötigen.

 

Quelle: eigene Recherche vor Ort und Recherche