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Aufwändige Bergung: 22 Tonnen Mandarinen per Hand entladen

Am 17. Januar verunglückter Sattelzug aus A3-Böschung bei Girod geborgen

A3 / Girod | 28. Januar 2024 | (ww). Während des „Winter-Chaos“ am 17. Januar kam es auf der A3 bei Girod zu einem spektakulären Unfall. Ein mit 30 Paletten Mandarinen beladener Sattelzug aus Spanien durchbrach auf schneeglatter Fahrbahn die Leitplanke, stürzte mehrere Meter eine Böschung hinab und blieb schließlich auf dem Dach liegen. Der Fahrer konnte sich selbst unverletzt aus dem Fahrzeug befreien. Eine Bergung war zunächst aufgrund der winterlichen Bedingungen unmöglich und wurde dann durch Autobahnpolizei und Autobahn GmbH für die eher verkehrsarme Zeit in der Nacht von Samstag auf Sonntag am vergangenen Wochenende – zehn Tage nach dem Unfall – angesetzt.

Allerdings begannen die nötigen Vorarbeiten dann doch bereits gestern Mittag, ab 12 Uhr. Trotz Temperaturen rund um den Gefrierpunkt stand zunächst extrem schweißtreibende Arbeit für die Crew des beauftragten Bergungsunernehmens Geiger & Sohn / DS Krantrans GmbH aus Ruppach-Goldhausen an. Die Ladung, 30 Paletten Mandarinen mit einem Gesamtgewicht von 22 Tonnen mussten von Hand entladen werden. Ein Anheben des beschädigten Aufliegers inklusive der Ladung war in den Planungen ausgeschlossen worden. Und so musste Karton, für Karton und Netz für Netz der VitaminC reichen Zitrusfrüchte in Container umgepackt werden. „Ich hätte die auch lieber verschenkt, aber leider müssen wir die gesamten Mandarinen teuer entsorgen. Aber es waren auch ziemlich viele sehr matschig nach dem Überschlag“, verrät Chef und Einsatzleiter Thomas Geiger. Der Anblick der schließlich vier randvollen Container lässt wahrscheinlich nicht nur Lebensmittelretter den Magen umdrehen, allerdings gab es für die wohriechenden Saisonfrüchte nach behördlichen Vorgaben nur den Weg der Enstorgung. Wegen der zeitaufwändigen Handarbeit wurde der Beginn der Bergungsaktion auch schon in den Mittagsstunden gelegt, damit möglichst noch das Tageslicht in der schwer zugänglichen Böschung genutzt werden konnte – allerdings dauerte es dann insgesamt fast neun Stunden bis die letzte Mandarine den Sattelauflieger verlassen hatte. Die teilweise zermatschten Mandarinen sorgten übrigens für eine sehr ungewöhnlich Duftmischung bei der Bergungsaktion: während sonst eher Diesel-, Öl- und Abgas“aromen“ solche Arbeiten begleiten, kam hier noch die fruchtig-gesunde Note des spanischen Obsts hinzu.

Parallel konnte schon weit vor Beginn der geplanten Bergungszeit die Zugmaschine geborgen werden. Da für den Kran zum Mandarinen-Transport sowie eine von drei Fahrspuren der A3 gesperrt war, konnte eine Spezial-LKW-Abschleppfahrzeug mit seinen beiden kombinierten 50, bzw. 30 Tonnen Winden den Volvo erstaunlich schnell – ohne weitere Fahrspuren sperren zu müssen – im Hang wieder auf die Räder stellen. Nachdem die Bremsen belüftet waren und die Räder wieder rollen konnten wurde die Zugmaschine mit der Front bis auf den Standstreifen gezogen. Dann hob der sowieso aktive Kran das Heck herum und schon konnte die Zugmaschine auf die Zwischen-Park-Position auf dem Standstreifen abseits des Geschehens gebracht werden.

Gegen 21 Uhr hatte dann auch die letzte Mandarine den Auflieger verlassen  und die Absperrung auf der A3 wurde um eine Spur erweitert, so dass dem Verkehr in Richtung Köln wie geplant noch eine Fahrspur verblieb, wodurch es lediglich zu stockendem Verkehr kam. Dann wurde Kran 1 umgesetzt und ein zweiter Kran platziert. Für das Rangieren waren kurzzeitige Komplettsperrungen erforderlich, schließlich zeigte sich, dass wirklich jeder Autobahnzentimeter genutzt wurde um während der abschließenden Bergung eine kompeltte Vollsperrung zu verhindern. Dann kam das schon bei der Zugmaschinen-Bergung eingesetzte Spezial-Fahrzeug zum Einsatz und drehte den nun leeren Auflieger in Rekordzeit noch im Hang wieder auf die eigenen Räder. So konnte dann auch je ein Bergegurt pro Kran unter dem Auflieger verlegt werden. Nach dem „Anschlagen“ hatte der spanische Auflieger dann innerhalb von Minuten auch wieder die A3 unter den Rädern.

Danach folgten noch „das große Reinemachen“ sowie der Abtransport von Mandarinen, Kartonagen, Paletten, Zugmaschine und Auflieger bevor die lang geplante, durchaus komplizierte, Bergungsaktion rund sieben Stunden vor ihrem geplanten Ende erfolgreich abgeschlossen war.

Fotos:

  • alle Drohnenbilder: Stefan Bettinger / Beauftragter des Bergungsunternehmens
  • Video mit Drohnenbildern: Stefan Bettinger / Beauftragter des Bergungsunternehmens
  • alle anderen Fotos: 56aktuell