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Brandstiftung im „lostplace“ Friedenswarte

Bad Ems | 5. April 2026 | Willi Willig. Gegen 17.20 Uhr heute Nachmittag war die Ostersonntagsruhe für die Aktiven der Bad Emser Feuerwehr schnell vorbei. „Rauch aus Gebäude“ war das Alarmstichwort und die meisten Ehrenamtler konnten das fragliche Objekt schon auf der Anfahrt zur Wache erkennen. Über der „Friedenswarte“ in der Alten Kemmenauer Straße stand bereits eine dunke Rauchsäule, die Schlechtes befürchten ließ. Der schnelle Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Bad Ems verhinderte allerdings in Verbindung mit der günstigen Tageszeit für die frühe Alarmierung Schlimmeres. In dem seit Ende der 90er Jahre leerstehenden Objekt war im ersten Stock ein Feuer gelegt worden.

In dem seit über 20 Jahren als „Lost Place“ bekannten Objekt treiben sich sehr oft Unbefugte herum, die sich selbst der so genannten Urbexer (Urban-Explorer)-Szene zuordnen würden. Der Zustand des Gebäudes zeigt aber immer deutlicher, dass die meisten der ungebetenen Besucher sich noch nicht mal an die einfachsten Grundsätze der Bewegung halten, nämlich als Stadterkunder, verlassene Orte, sogenannte „Lost Places“, zu besuchen und zu dokumentieren Ziel dabei soll es sein, die Ästhetik des Verfalls zu erleben, Geschichte zu erforschen und fotografisch festzuhalten, ohne die Orte zu beschädigen. Der Szene-Kodex lautet: Kodex: „Nimm nichts mit außer Fotos, lass nichts zurück außer Fußabdrücke“. Eingeworfene Fenster, zerstörte Einrichtung und besprühte Fassaden beweisen leider das Gegenteil. Abgesehen davon ist auch das Betreten fast aller Objekte untersagt und damit Hausfriedensbruch, ggf. auch Landfriedensbruch. Im heutigen Fall liegt die Strafbarkeit allerdings völlig außer Frage. Einzige Frage die bleibt ist: was treibt einen (oder mehrere) Menschen an, im Eigentum anderer Feuer zu legen?

Glücklicherweise war die Tatzeit der Nachmittag des Ostersonntags. Die Rauchsäule fiel also zahlreichen Anrufern bei Polizei und Notruf schnell auf. Wenn ein solcher Brand als Schwelbrand zunächst nicht entdeckt wird und dann erst mitten in der Nacht ausbricht, kann der Schaden schon deutlich höher ausfallen – unabhängig davon, ob sich bei einem solch unverantwortlichen und unnötigem Handeln und auch noch einer der ehrenamtlichen Rettungskräfte verletzen könnte.

Der Sachschaden des heutigen Vorfalls dürfte schwer zu beziffern sein – der Idiotiefaktor des oder der Handelnden erreicht aber definitiv einen Spitzenwert!

Hintergrund:

Das ehemalige Schwesternwohnheim der Diakonissen wurde in den 1920er Jahren als Teil einer Besatzungskaserne (später Nachrichtenschule der Bundeswehr und ebenfalls seit Jahrzehnten Lost Place) erbaut und 1931 von den evangelischen Ordensschwestern und Diakonissen übernommen. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurde das Haus von den Frauen Friedenswarte getauft.  Ihr Leben stellten die Diakonissen in den Dienst der Pflege Kranker und alter Menschen. 1934 wurde die Friedenswarte zum Mutterhaus der Emser Diakonissen, das in Kriegszeiten zu einem wichtigen Schutzort werden sollte. Während des Krieges betreuten sdie Diakonissen verwundete Soldaten und solche, die an Typhus, Ruhr, Diphtherie oder Tuberkulose erkrankten. In dem Schwesternwohnheim / der Friedenswarte verbrachten die Diakonissen auch ihre Lebensabende.

Nach dem Krieg fanden sich immer weniger Frauen, die das gute Werk fortführen wollten. Ende der sechziger Jahre wurde das zugehörige Krankenhaus (am Standort des mittlerweile ebenfalls geschlossenen Georg-Vömel-Hauses) geschlosen und abgerissen. 1997 zogen die letzten Diakonissen aus der Friedenswarte aus. Seitdem steht das Schwesternwohnheim der Diakonissen in Bad Ems leer.