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Reichenberg: Fachwerkhaus in Flammen

Ein Verletzter durch Rauchgase - Entgegen anderslautender Meldungen KEIN "kontrolliertes Niederbrennen des Hauses

Reichenberg | 15. Januar 2026 | (ww). Am frühen Morgen ging über Notruf eine Meldung über ein Feuer in einem Fachwerkhaus in Reichenberg (Verbandsgemeinde Loreley / Rhein-Lahn-Kreis) ein. Noch auf der Anfahrt der Feuerwehr wurde die Alarmierungsstufe erhöht, der Vollbrand des Wohnhauses bestätigte sich beim Eintreffen der ersten Kräfte schon von Weitem. Der einzige Bewohner des Hauses erlitt eine schwerere Rauchgasvergiftung. Er hatte noch versucht das Feuer selbst zu bekämpfen und Gegenstände aus dem brennenden Haus zu holen. Beim Eintreffn der Rettungskräfte hatte er das Haus bereits verlassen, war aber deutlich sichtbar dichtem Rauch ausgesetzt. Er wurde zunächst ins Nastätter Krankenhaus gebracht und noch am Vormittag nach Wiesbaden verlegt.

In einer Pressemeldung war zu lesen, dass die Feuerwehr das Haus kontrolliert abbrennen ließ. „Davon kann keine Rede sein“, so Wehrleiter Jörg Preißmann gegenüber 56aktuell. Der Kern-Einsatz dauerte bis etwa 10 Uhr heute Vormittag, also über neun Stunden an, solange wurde jede Möglichkeit zum Niederhalten des Feuers ausgeschöpft. Die Bedingungen vor Ort waren insgesamt aber eher ungünstig für den Einsatz. „Wir konnten keinen Innenangriff und auch keinen Löschangriff über das Dach einleiten. Das Haus stand innen bis unter das Dach in Flammen und das bei einer Renovierung vor einigen Jahren montierte Blechdach konnte so nicht für den Angriff geöffnet werden. Auch war ein Löschangriff von der Rückseite nicht möglich, da das brennende Fachwerkhaus an einem ehemaligen Steinbruch unterhalb der Burg liegt“, berichtet Preißmann. Dadurch blieben nur in der Fassade vorhandenen Öffnungen, wie etwa Fenster und Belüftungsöffnungen, für Löschangriffe von außen übrig.

Das zweite Problem: unmittelbar neben dem Haus steht eine Scheune, getrennt nur durch einen schmalen Durchgang. Die eingesetzten Feuerwehren konnten aber trotz der widrigen Bedingungen ein Übergreifen auf die Scheune erfolgreich verhindern. Lediglich die Fassade wurde in Mitleidenscaft gezogen. „Das war nicht einfach, aber wichtig. Die potenzielle Brandlast in der Scheune wäre sehr hoch gewesen“, so Preißmann. Mehrere Raummeter eingelagertes Holz und – wie üblich auf dem Land – „viel über die Jahre Angesammeltes“ stapelten sich im Objekt.

 

Auch die Fachwerkbauweise des Hauses brachte die, in solchen Fällen üblichen, Herausforderungen mit sich. Immer wieder flammte das Fachwerk an unterschiedlichen Stellen auf, Brand- und Glutnester mussten über Stunden immer wieder erkannt und durch die schmalen Öffnungen bekämpft werden. Zu guter Letzt war auch noch die Wasserversorgung zu bewältigen. „Während wir zu Beginn aus zwei Unterflur-Hydranten Wasser entnommen haben, haben wir dann festgesetllt, dass der Druck aufgrund der dort vorhandenen Ringleitung nicht ausreichte“, erklärt Preißmann. Hier kamen die glücklicherweise gerade milderen Witterungsverhältnisse den Einsatzkräften zu Gute: ein sehr nahegelegener Bach konnte aufgestaut werden. „Dessen Wasser reichte zur Versorgung der Drehleiter“, beschreibt der Wehrleiter die Situation. Die nachalarmierten Tanklöschfahrzeuge aus Kamp-Bornhofen brachten zusätzliche 5500 Liter, das TLF aus  St.Goarshausen nochmal 1600 Liter Löschwasser mit. Mit einem Pendelverkehr konnte aus dem Reitzenhainer Wassernetz insgesamt ausreichend Löschwasser – auch im Falle eines potenziellen Übergreifens auf die Scheune -bereit gehalten werden. „Insgesamt war die Witterung mit dem leichten Nieselregen und den eher milden Temperaturen im Vergleich zu den vergangenen Tagen natürlich auch vorteilhaft für den Einsatz und das eingesetzte Personal vor Ort“, berichtet Preßmann.

Gegen 10 Uhr heute Vormittag wurde die Masse der Einsatzkräfte aus dem Einsatz entlassen, es blieb eine Brandwache vor Ort, die die immer wieder aufflackernden Glut- und Brandnester beim Wiederaufflammen direkt bekämpfen kann. Die durch Reichenberg führende K90 war während des Einsatzes aufgrund der Wasserversorgung und querlaufender Schläuche voll gesperrt. Bewohner der benachbarten Ortschaft Reitzenhain wurden in Richtung Niederwallmenach umgeleitet. Das Haus konnte bislang weder von Einsatzkräften noch von Brandermittlern betreten werden.

Im Einsatz waren  die Feuerwehren Ausrückebereich Patersberg-Reichenberg, aus Reitzenhain, die FFW Nochern-Weyer, die FFW Kamp-Bornhofen, die Stützpunktwehr aus St.Goarshausen, die FFW Braubach zur Unterstützung der FEZ und mit dem MZF zum Transport von Atemschutzausrüstung und natürlich die Wehrleitung der VG Loreley. Ebenso im Einsatz: der Regelrettungsdienst und die SEG des DRK Rhein-Lahn, sowie die Polizei St.Goarshausen.

Fotos: Feuerwehr VG Loreley