Tag:

bergwerk

    Bad Ems | 4. Oktober 2023 | (ww). Zu einem ungewöhnlichen Einsatz wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Ems heute Abend gegen 20.45 Uhr alarmiert. Anwohner meldeten, dass zwei Jugendliche in einen Stollen der seit 1945 geschlossenen Blei- und Zinkgrube „Neuhoffnung“, den Stadtstollen, eingedrungen seien. Die angeschlossenen Fahrräder der Jugendlichen in der Nähe des Stollen-Mundlochs wiesen auf die fehlenden Besitzer hin, die wohl schon vor Kurzem bei einem Eindringversuch in eben diesen Stollen von den Anwohnern beobachtet wurden. Die alarmierte Polizei forderte Amtshilfe bei der Feuerwehr an.

    Zunächst wurde das Eisengitter geöffnet, mit dem der Stadtstollen heutzutage verschlossen ist. Deutliche Spuren ließen den Schluß zu, dass es wohl schon mehrere Versuche gab, in den Stollen einzudringen. Unter dem Gitter war ein deutliches „Mannloch“ gegraben.  Ein Team aus Feuerwehr und Polizei wurde verstärkt durch den Bad Emser Bergbauexperten Frank Girmann von der Arbeitsgemeinschaft Bahnen und Bergbau, die unter anderem das Bergbaumuseum einrichtete. Girmann kennt die Unter-Tage-Anlagen in Bad Ems und Umgebung wie wohl kein Zweiter.

    Der Bad Emser Bergbau-Experte Frank Girmann (Bildmitte) unterstützte das Suchteam.

    Dass der Stadtstollen und die meisten weiteren Grubenanlagen mittlerweile gut verschlossen sind und nicht betreten werden dürfen hat seine Gründe, im Falle des Stadtstollens ist es die Verbindung zum unterirdischen Schacht und natürlich der bauliche Zustand der erreichbaren Nebenstrecken. Die ersten Meter des Stadtstollens gleichen eher einem Tunnel, vor wenigen Jahren wurde das Bauwerk, das unter der Kreuzung Bleichstraße / Alte-Kemmenauer-Straße / Ludwigstraße verläuft, saniert, da befürchtet wurde, die Standsicherheit unter der viel befahrenen Straße sei nicht gegeben. Außerdem wurden im Rahmen des Geothermieprojekts, bei dem warme Grubenwässer zur Heizung unter anderem des Rathauses verwendet werden, weitere Sicherungsarbeiten ausgeführt.

    Doch je weiter man in den Berg hineingelangt, desto urtümlicher ist der Zustand des Stollens, ganz zu schweigen von den Gefahren des Verbindungsschachts mit den Stahlstufen als Leiterelemente. Bis dort hin führte auch die Suchaktion im Stadtstollen selbst, danach musste davon ausgegangen werden, dass die Jugendlichen die sehr unsichere Verbindung zum Neuhoffnungsstolln entdeckt und genommen hatten. Das Suchteam wurde neu formiert und unter Girmanns fachlicher Führung ging es von der Arzbacher Straße erneut auf die Suche. Da allerdings das Tor zum Neuhoffnungsstolln beim Eintreffen der Feuerwehr offen war, könnte es durchaus sein, dass die Jugendlichen diesen mittlerweile schon wieder als Ausgang genommen hatten – abgesucht werden musste er trotzdem.

    Auch die Hauptstrecke des Neuhoffnugsstollns hat eher Tunnelaußmaße, vor allem im vorderen Bereich. Allerdings ist dieser Stollen durch zwei angeschlossene Schächte auf der Hauptstrecke und ihre teilweise mit Holz überbauten Schachtöffnungen deutlich gefährlicher, auch gibt es vor allem in den Nebenstrecken brüchige und eingefallene Abschnitte. Im Bereich des Neuhoffnungsstollns dauerte die Suche bis gegen 23.20 Uhr, dann wurde sie nach (so-gut-wie-möglich) kompletter Absuche ohne Ergebnis in Absprache mit der Polizei abgebrochen.

    Die Bad Emser Gruben wurden über 2000 Jahre lang (mit Unterbrechungen) bis 1945 betrieben. Die Grube „Neuhoffnung“, zu der auch der Stadtstollen gehört, ist nach einem Bombenangriff auf die Stromversorgung im März 1945 abgesoffen und wurde auch nach dem Krieg nie wieder in Betrieb genommen. Heute ist der Stadtstollen der tiefste erreichbare Punkt, darunter stehen rund 900 Meter Bergwerk mit 15 so genannten Tiefbausohlen komplett unter Wasser. Das Bergwerk entwässert über den Stadtstollen, wo am Einlauf in den Emsbach deutlich zu sehen ist, wie mineralhaltig die Grubenwässer sind. Der Umstand, dass der Bergbau über die Jahrhunderte auch immer mal wieder Thermalquellen angeschnitten hat, führt heute noch dazu, dass das Wasser, das aus dem Stadtsollen läuft deutlich wärmer ist, als bei anderen Bergwerken. Das führte auch zu einem Geothermieprojekt, mit dem unter anderem das Rathaus teilweise beheizt wird.

    0 comment
    0 FacebookTwitterPinterestEmail