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    Türkei / Region | 12. Februar 2023 | (ww). Heute Nacht ist es genau eine Woche her, dass das türkisch/syrische Grenzgebiet von zwei schweren Erdbeben getroffen wurde. Mittlerweile spricht man von einem Jahrhundertbeben, mehr als 30.000 Tote und 85.000 Verletzte sind offiziell bestätigt, die UN rechnet nach aktuellen Angaben mit bis zu 50.000 Toten.

    Die internationale Hilfe ist aber groß – rund 8000 internationale Helfer sollen mittlerweile im Land aktiv sein. Darunter auch einige aus Rheinland-Pfalz und dem 56aktuell-Land, also den zehn Landkreisen im Norden von Rheinland-Pfalz. Mit zu den ersten Hilfskräften gehörte Maik Späth aus Miehlen im Taunus. Der 49-Jährige gehört dem Team von ISAR-Germany an. Das ist eine gemeinnützige, spendenfinanzierte Hilfsorganisation, die 2003 in Duisburg gegründet wurde und weltweit zum Einsatz kommt. Der Name I.S.A.R. steht für „International Search-and-Rescue“ und ist ein Zusammenschluss aus Spezialisten verschiedener Hilfsorganisationen und dem Bundesverband Rettungshunde e.V. Zu den Aufgaben zählt internationale Hilfe u.a. nach Naturkatastrophen, zum Beispiel die Suche und Rettung von Erdbebenopfern. Dafür werden Rettungshundeteams und mit modernster Technik ausgestattete Bergungsspezialisten eingesetzt. Maik und das ISAR-Team verlegten bereits Stunden nach dem Beben am vergangenen Montag um 4.17 Uhr Ortszeit in die Provinz Hatay.

    Screenshot NDR aktuell (Maik Späth, rechts, roter Helm)

    Bilder des Miehlener Rettungsspezialisten, der in der gesamten (Heimat-)Region seit Jahren als tragende Säule der BRH-Rettungshundestaffel Rhein-Lahn bekannt ist, gingen am Freitag durch Deutschland und um die Welt, als in Kirikhan die Rettung der 40-jährigen Zeynep gelang, die mehr als 100 Stunden unter den Trümmermassen gefangen war. Kurz danach erreichten wir Maik Späth im Camp für ein kurzes Gespräch. Er berichtete von der erfolgreichen, fast 60-stündigen Rettungsaktion. Im Gespräch erklärte Späth dem 56aktuell-Reporter auch den Begriff „Bergungstod“, der einen Tag später auch die vermeintlich gerettete Zeynep ereilte. Ein schwerer Schlag für die Angehörigen, aber auch das Team. „Dazu kommt es immer wieder, vor allem wenn Verschüttete lang bei tiefen Temperaturen ohne Wasser auskommen mussten“, erklärte Späth die Umstände noch am Freitag. Am Samstag kam dann aus Kirikhan die traurige Nachricht, dass Zeynep im Krankenhaus verstorben sei. „Es bleibt aber die Gewissheit, dass wir dazu beitragen konnten, dass sie noch einmal das Sonnenlicht und vor allem den überlebenden Teil ihrer Familie gesehen hat“, so ein ISAR-Sprecher kurze Zeit später. Maik Späth und seinem Team gelangen aber etliche weitere Rettungen – bereits in der ersten Nacht ihres Einsatzes konnten sie zwei Frauen und ein Kind aus den Trümmern holen, am 4. Tag konnten nochmal zwei Personen gerettet werden, darunter ein 16-Jähriger. Leider musste das 45-köpfige Team auch zahlreiche Leichen bergen, schwere Momente für die engagierten Helfer. „Wir bleiben, solange es Hoffnung gibt, noch jemanden retten zu können. Wunder gibt es immer wieder“, kommentiert Maik Späth die oft zitierte „Faustregel“, nach der Verschüttete bis zu 72 Stunden überleben könnten. Nach aktuellen Meldungen soll das ISAR-Team aber morgen (Montag, 12. Februar) abgezogen werden.

    Am Dienstag startete auch das SEEBA-Team des THW vom Flughafen Köln/Bonn ins Erdbebengebiet. Dem 51-köpfigen Team das ausgeschrieben „Schnell-Einsatz-Einheit-Bergung-Ausland“ heißt, gehören auch vier Aktive aus der 56er-Region an. Stephan Heinz vom THW-Ortsverband Lahnstein, Jörg Eger und Pascal Schreiner vom Ortsverband Koblenz und Marc Winzen vom Ortsverband Montabaur. Mit rund 16 Tonnen Material saß das Team zunächst mal einen halben Tag am Flughafen fest, weil durch die immer stärker anlaufende internationale Hilfe die Landeslots auf den türkischen Flughäfen nahe der Krisenregion knapp wurden.

    Stephan und Minx sind „ready for takeoff“- Foto:privat

    Direkt nach der Landung ging es für Stephan Heinz und seine Malinois-Hündin Minx in den Einsatz ins Epizentrum. Der Hundeführer und die belgische Schäferhündin sind ein erprobtes Team im Katastropheneinsatz, waren unter anderem auch nach der gigantischen Explosion im Hafen von Beirut im Einsatz. Das vom ehemaligen Chef des Koblenzer THW-Ortsverbandes Koblenz, Jörg Eger, geführte Team war im Erdbebengebiet auch bei der tragischen Rettung von Zeynep beteiligt, in der vergangenen Nacht haben sie gemeinsam mit türkischen Hilfskräften eine 88-jährige Frau lebend aus Trümmern im Erdbebengebiet gerettet. In der Nacht zum Sonntag wurde die Frau geborgen, sie sei schwach, aber ansprechbar gewesen, heißt es in einer Mitteilung des THW. Man habe die 88-Jährige nach der Rettung mit Knochenbrüchen in ein Krankenhaus gebracht.

    Beide Organisationen THW und I.S.A.R Germany mussten am Samstag, aufgrund durch türkische Behörden gemeldeter Tumulte mit abgegebenen Schüssen, ihre Rettungsarbeiten unterbrechen. Die Helfer blieben im gemeinsamen Basislager, bis sie für eine Rettung angefordert würden. Im Fall der Rettung der 88-Jährigen riefen lokale Kräfte des türkischen Katastrophenschutzes und der Armee das THW am Samstag gegen 20 Uhr zur Einsatzstelle. Über einen Dolmetscher hätten die Retter mit der Verschütteten sprechen können. Gegen 22 Uhr sei die Frau dann gerettet worden. Laut THW wurden die Retter bei den Maßnahmen von Sicherheitskräften begleitet. Von eventuellen Anspannungen in der Region Hatay habe man vor Ort selbst nichts mitbekommen, hieß es am Sonntag. Man sei auf die Informationen der türkischen Behörden angewiesen.

    Das SEEBA-Team vor dem Abflug
    PK vor Abflug
    16 Tonnen Material müssen mit
    Teamleiter Jörg Eger beim Briefing
    Ausrüstung wird verpackt

    Alle Fotos in der obigen Galerie: THW

    Alle Fotos in der obigen Galerie: ISAR-Germany, Facebook-Seit

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