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Bad Ems: Kann die Kurbrücke mit Verstärkungen wieder geöffnet werden?

Prüfbericht offenbart "erhebliche Schäden" bei tragenden Bauteilen - "deutliche Querschnittsschwächungen" durch Korrosion - Expertengespräche stehen kurzfristig an

Bad Ems | 19. April 2026 | (ww). Die Nachricht über die nach einer Brückenprüfung notwendige Sperrung der Kurbrücke erreichte Stadtbürgermeister Oliver Krügel während seines Urlaubs am 56aktuell-Telefon. Mittlerweile sind einige Tage seit der Sperrung der historischen Lahnquerung mitten im Welterbe vergangen und nicht nur viele Bad Emser treibt die Frage um: wie ist der Stand der Dinge? Wie lange wir die Brücke geperrt bleiben? Was muss passieren?

„Die Nachricht über die Sperrung der Kurbrücke hat mich genauso betroffen gemacht wie viele Menschen in Bad Ems, weil man sofort weiß, was diese Brücke für unsere Stadt bedeutet“, so Krügel. Die Kurbrücke sei nicht nur eine zentrale Fußwegeverbindung für Einheimische und Gäste, sondern prägt seit Generationen das Stadtbild und besitzt eine hohe identitätsstiftende Bedeutung, so Krügel.

Ein Blick in die Geschichte unterstreiche diese Rolle: Bereits im Jahr 1853 wurde die Brücke als überdachte Gitterbrücke für Fußgänger errichtet. Sie verband das Kurviertel mit dem Badehaus und diente zunächst ausschließlich dem Kurbetrieb. Im Zuge des Ausbaus der Lahn wurde sie um 1928 erhöht und das ursprüngliche Dach entfernt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Brücke 1945 zerstört, bis 1948 jedoch wieder aufgebaut. Nach einer umfassenden Sanierung wurde sie Ende des 20. Jahrhunderts vom Staatsbad auf die Stadt Bad Ems übertragen.

„Im Rahmen einer turnusmäßigen Überprüfung aller städtischen Brückenbauwerke, die bereits im vergangenen Jahr vom Stadtrat beauftragt wurde, wurde auch die Kurbrücke untersucht“, erklärt Krügel. Technisch handele es sich um eine sogenannte Trogbrücke mit Fachwerk, bei der die seitlichen Tragwerke (die charakterische Gitterstruktur, die meist für das Geländer gehalten wird, die Red.) eine wesentliche statische Funktion übernehmen. Der nun vorliegende Prüfbericht offenbare erhebliche Schäden im Bereich des so genannten Untergurts, einem zentralen tragenden Bauteil der Konstruktion. Insbesondere durch Korrosion sei es zu deutlichen Querschnittsschwächungen gekommen, so Krügel

Das Ergebnis ist leider eindeutig: Am Untergurt wurden erhebliche Schäden festgestellt. Teilweise ist die Materialstärke deutlich reduziert.

Stadtbürgermeister Oliver Krügel zum Schadensbild an der Kurbrücke

Besonders herausfordernd ist, dass sich die betroffenen Schadstellen in einem Bereich unterhalb der Brücke befinden, der nur vom Wasser aus zugänglich ist. Die Untersuchung erfolgte dort auch mithilfe eines speziellen Boots, auf dem ein entsprechendes Baugerüst installiert ist, um die betroffenen Bereiche überhaupt erreichen und fachgerecht prüfen zu können. Aufgrund der festgestellten Schäden habe der Prüfingenieur die sofortige Sperrung der Brücke empfohlen. „Wenn die Standsicherheit in Frage steht, gibt es da auch keine Alternative: Sicherheit geht vor“, betont Krügel.

Die nächsten Schritte:

Die Stadt Bad Ems hat den vollständigen Prüfbericht inzwischen erhalten und bereitet nun die nächsten Schritte vor. In einem anstehenden Abstimmungstermin mit dem Prüfingenieur soll insbesondere geklärt werden, ob und in welcher Form eine temporäre Sicherungsmaßnahme möglich ist.
Ziel der Stadt ist es, – sofern technisch vertretbar – kurzfristig eine Übergangslösung zu prüfen, um die Brücke perspektivisch wieder nutzbar zu machen.
„Mein Wunsch ist, dass wir – wenn es technisch möglich ist – gezielt an den betroffenen Stellen ansetzen: entlacken, entrosten und durch zusätzliche Verstärkungen die Tragfähigkeit vorübergehend sichern“, so Oliver Krügel.

Gleichzeitig stellt Krügel klar, dass es sich hierbei um eine erste Überlegung handelt, die noch keiner fachlichen Bewertung unterzogen wurde. Eine Umsetzung könne ausschließlich erfolgen, wenn sie durch den Prüfingenieur beziehungsweise Statiker ausdrücklich freigegeben und befürwortet werde. Die Idee sei im Austausch mit einem Fachbetrieb für Metallbau entstanden und solle nun im anstehenden Abstimmungsgespräch näher geprüft werden. Ziel sei es, mögliche Handlungsoptionen frühzeitig auszuloten und alternative Lösungswege in Betracht zu ziehen.

Unabhängig davon machte Krügel deutlich: „Wir müssen davon ausgehen, dass es hier keine Lösung innerhalb weniger Tage oder Wochen geben wird.“ Gleichzeitig stellt die Stadt klar, dass parallel eine langfristige Lösung erarbeitet werden muss: „Selbst wenn eine temporäre Maßnahme gelingt, dürfen wir keine Zeit verlieren. Wir müssen unmittelbar mit der Planung einer umfassenden Sanierung beginnen – inklusive Kostenklärung und der Prüfung möglicher Fördermöglichkeiten.“ In diesem Zusammenhang steht Krügel bereits im Austausch mit einem verantwortlichen Mitarbeiter der Städtebauförderung im zuständigen Ministerium in Mainz. Dort wurde eine grundsätzliche Fördermöglichkeit für das Vorhaben in Aussicht gestellt.  „Die Stadt Bad Ems wird die Öffentlichkeit weiterhin transparent über die weiteren Entwicklungen informieren“, verspricht Krügel abschließend.