Home Events 70 Jahre Egerländer Musikanten – Tradition trifft Aufbruch

70 Jahre Egerländer Musikanten – Tradition trifft Aufbruch

Jubiläumstournee 2026 machte Station in Limburg an der Lahn

Limburg | 20. April 2026 | Luca Weilberg. Es gibt Orchester, die klingen wie eine Epoche. Die „Original Egerländer Musikanten” klingen wie mehrere – und genau das war am Donnerstagabend, den 16.04.2026 in der Stadthalle Limburg zu erleben. Im Rahmen ihrer großen Jubiläumstournee zum 70-jährigen Bestehen gastierten die Egerländer Musikanten in Limburg und lieferten einen Konzertabend, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf eindrucksvolle Weise miteinander verwob.

Ein neues Kapitel beginnt

Im Mittelpunkt des Abends stand nicht nur das Jubiläum selbst, sondern auch ein Generationenwechsel, der das Ensemble in eine neue Ära führt. Alexander Wurz, 40-jähriger Tenorhornist und Dirigent, übernahm offiziell die musikalische Leitung der Egerländer Musikanten – und machte von der ersten Note an deutlich, dass er nicht nur Erbe, sondern Gestalter sein will. „Ich habe den Staffelstab von Ernst Hutter am 7. November in München im Zirkus Krone übernommen – anlässlich des 100. Geburtstags von Ernst Mosch. Das war ein besonderer Moment”, erzählte Wurz nach dem Konzert. Seit 15 Jahren ist er Teil des Orchesters, kennt seinen Klang, seine Geschichte und seine Menschen. Und doch bringt er etwas Eigenes mit: einen Blick nach vorne, ohne den Blick zurück zu verlieren. „Das Allerwichtigste für mich ist, dass man authentisch ist. Man muss sein Handwerk beherrschen, man muss üben – aber vor allem darf man den Spaß nie vergessen. Das steht über allem.”

 

Eine musikalische Reise durch sieben Jahrzehnte

Das Programm des Abends war klug dramaturgisch aufgebaut und führte das Publikum in drei Teilen durch die Geschichte des Orchesters. Moderator Edi Graf begleitete den Abend mit warmherziger Souveränität und stimmte das Publikum früh auf das ein, was folgen sollte: „40 Jahre Ernst Hutter bei den Egerländer Musikanten – und natürlich auch das Hier und Jetzt, die Zukunft. Diese Geschichte werden wir heute Abend musikalisch erzählen.” Und so begann es von Anfang an – buchstäblich. „Wer sich vielleicht erinnert: Das war damals noch eine kleine Schellack-Platte. Seite A: ein Walzer – ,Rauschende Birken’. Seite B: die ,Fuchsgraben-Polka’. Genau so starten wir heute Abend”, so Graf, bevor das Orchester mit frischer Spielfreude in den ersten Teil einstieg.

Klassiker wie „Dort tief im Böhmerwald” und die „Löffelpolka” erinnerten an den Gründer Ernst Mosch, der dem Ensemble seit 1956 seinen unverwechselbaren, emotionalen und swingenden Klang gegeben hat. Der zweite Teil würdigte die 25-jährige Ära von Ernst Hutter, der die Egerländer mit eigenen Arrangements und einer neuen Solistengeneration ins 21. Jahrhundert geführt hat. Titel wie „Rosamunde” und „Das Feuer brennt weiter” wurden mit spürbarer Herzlichkeit dargeboten. Den stärksten Eindruck hinterließ der dritte Teil des Abends: die Gegenwart und Zukunft der Egerländer Musikanten. Mit neuen Eigenkompositionen aus den Reihen des Orchesters und dem von Wurz eigens komponierten Marsch „Zeitenwende” – einem Stück, das Tradition, Swing und Moderne zu einem stimmigen Ganzen fügt – setzte das Ensemble ein klares Zeichen. Unsere Musik verbindet die Generationen – dieser Gedanke, der in Wurz’ Schaffen spürbar ist, wurde an diesem Abend nicht nur behauptet, sondern hörbar gemacht. Besonderer Höhepunkt war das große Solisten-Medley, in dem Musiker verschiedener Generationen gemeinsam auf der Bühne standen und zeigten, was die Egerländer seit jeher auszeichnet: handwerkliche Präzision, Virtuosität und eine Spielfreude, die sich unmittelbar auf das Publikum überträgt. Auch gesanglich war Alexander Wurz präsent – ganz in der Tradition des Orchestergründers Ernst Mosch.

Musik als Brücke zwischen den Generationen

Was den Abend letztlich auszeichnete, war nicht allein die musikalische Qualität – es war die Wirkung, die das Orchester auf sein Publikum hatte. Menschen verschiedener Generationen saßen gemeinsam in der Stadthalle, sangen mit, klatschten, lachten und erinnerten sich. Genau das ist es, was die Egerländer Musikanten seit 70 Jahren leisten: Musik, die nicht trennt, sondern zusammenbringt. Mit Alexander Wurz an der Spitze scheint das Orchester für die nächsten Jahrzehnte bestens aufgestellt. Er selbst gibt sich dabei bescheiden und zugleich entschlossen: „Ich mache das, was Mosch und Hutter vor mir getan haben – das Orchester mit Gefühl für die Tradition weiterentwickeln und die Musik mit Leidenschaft in die Zukunft tragen.” Die Jubiläumstournee der „Original Egerländer Musikanten” wird noch in weiteren Städten zu erleben sein.

Quelle und Fotos: Luca Weilberg