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Unwetter trifft Teile des Rhein-Lahn-Kreises heftig

Ritterspiele in Katzenelnbogen evakuiert - besonders betroffen auch: Seelbach, Weinähr, Verlauf des Dörsbachs, Bereich Hahnstätten

Rhein-Lahn-Kreis / Einrich | 20. Juni 2026 | (ww). Das Unwetter mit Gewittern, Hagel, Sturmböen und Starkregen hat gestern Abend Teile des Rhein-Lahn-Kreises heftig getroffen. Zahlreiche umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer, vollgelaufene Keller und Erdgeschosse, Erdrutsche und weitere Einsatzstellen beschäftigten die Einsatzkräfte aus weiten Teilen des Rhein-Lahn-Kreises. Besonders betroffen: der Einrich mit den Katzenelnbogener Ritterspielen. Das liebevoll gestaltete Zeltlager der Teilnehmer versank im plötzlich anschwellenden Dörsbach, der sonst mitten durch das Ritterspiele-Gelände plätschert. Dieser stieg in kurzer Zeit von 23 Zentimetern-Normalpegel auf über zwei Meter an und machte das mittelalterliche Zeltlager zur Seenplatte. Das Problem: weitere starke Regenfälle waren angekündigt, ein 50-jährliches Hochwasser des Dörsbachs mit um nochmals bis zu zwei weitere Meter steigende Wasserständen musste erwartet werden. Das noch relativ neue Lagezentrum des Katastrophenschutzes des Rhein-Lahn-Kreises in Lollschied erlebte seine „Feuer-“ oder eher „Wasser“-Taufe und übernahm die Koordination der überörtlichen Einsätze und bewährte sich dabei aus dem Stand bestens. Glücklicherweise traf die für nach Mitternacht befürchtete zweite Starkregenfront nicht mehr den Einrich – die Lage entspannte sich dann deutlich, die Einsätze dauerten aber noch bis mitten in die Nacht hinein an.

 

Für die Katastrophenschützer im Kreis setzte der gestrige Tag dabei sogar Maßstäbe. Eigentlich befanden sich große Teile der Leitungsebene und Ehrenamtliche auf einer Übung für die überörtliche Hilfe der Kreisbereitschaft in Niederzissen. Dann erfolgte am frühen Abend aber die echte Alarmierung für die SEG-Sanität. Bereits vor Konzertbeginn gab es im, auf Roland Kaiser wartenden, Publikum auf der Loreley mehr als 40 Menschen, die aufgrund der Hitze „zusammenklappten“. Zur Unterstützung des an seine Grenzen gelangenden Sanitätsdienstes vor Ort wurde die Schnelleinsatzgruppe-Sanität nach Bornich geholt um genug Behandlungskapazitäten vor Ort zu haben. Doch dann ging es mit dem einsetzenden Unwetter erst richtig los, das Lagezentrum in Lollschied erlebte seine Einsatz-Premiere und die SEG wurde nach Katzenelnbogen zur Unterstützung bei der Evakuierung der Ritterspiele verlegt, weitere Kräfte alarmiert. „Wenn wir diese echten Abläufe von heute auf einer Übung als Lage einspielen würden, hätte jeder gesagt: Jetzt übertreibt ihr aber“, waren sich BKI Guido Erler und Lars Ritscher, Leiter des Stabs im Lagezentrum, gestern Abend einig.

Doch auch für so manche Feuerwehreinheit dürfte der gestrige Freitag lange in Erinnerung bleiben. In Seelbach zum Beispiel wo es trotz der Höhenlage gut 20 Einsätze unterschiedlichster Art gegeben hat, und wo einige Aktive sogar noch einen Blitzeinschlag in nächster Nähe während des Einsatzes erleben mussten. Nach ersten Angaben vor Ort, wurde dabei aber niemand verletzt. Aber auch die Aar-Einrich-Einheiten  hatten nicht nur mit den Ritterspielen reichlich zu tun. In Kaltenholzhausen zum Beispiel wurde – nach Angaben in der Einsatzkräfte in Katzenelnbogen – das Dach des Rathauses inklusive Photovoltaik-Anlage abgedeckt, rund um Hahnstätten und Katzenelnbogen stürzten aber auch zahlreiche Bäume um, diverse Keller mussten ausgepumpt werden. Zum ersten Mal lösten die bundesweiten Warnsysteme gestern Abend, aber auch über die Handyalarmierung eine Extrem-Hochwasser-Warnung für die südlichen Lahnzuflüsse – Gelbach, Dörsbach und Aar – aus. Doch nicht nur bekannte fließende Gewässer stiegen stark an, es entstanden völlig neue Bach- und kurzzeitig schon eher Flussläufe. So wurde die Serpentinenstrecke zwischen Obernhof und Seelbach zur „Wildwasserbahn“, mit aus den Felsen im Kurvenverlauf austretenden Sturzbächen. „Sorgenkind“ blieb bis zur Entwarnung rund um Mitternacht der Dörsbach, auch im Bereich der Mittelmühle und der Obermühle bei Obernhof.

Aber auch nördlich der Lahn traten Bäche über die Ufer, so beispielsweise am Arzbacher Bierhaus. In Weinähr sorgte ein neuer Weinberg, der gerade mit massiven Erdarbeiten im Hang angelegt wird, für eine Schlammlawine im Ort. Die braune Flut traf das Weinhaus Treis und über einen querverlaufenden Weg zahlreiche Häuser am Weinbergshang und in der Hauptstraße, ungefähr auf Höhe des alten Feuerwehrhauses. Zahlreiche weitere Einsätze beschäftigten diverse Feuerwehreinheiten in der Region. Glück hatten dann aber im Verlaufe des Abends Roland Kaiser und sein Publikum – die Loreley blieb von Gewitter und Starkregen verschont.

Die Pressemeldung aus dem Lagezentrum in Lollschied von heute Nacht, 23:58 Uhr, gibt nochmals einen guten Überblick, auch wenn dann mit oben erwähnten Teilen eventuell Doppler entstehen:

Gewitter, Starkregen und zahlreiche Einsätze im Rhein-Lahn-Kreis – Unwetterlage mit stark steigenden Pegel Am heutigen Abend waren Feuerwehren, Rettungsdienst, Schnelleinsatzgruppen und weitere Einsatzkräfte im Rhein-Lahn-Kreis parallel an mehreren Einsatzschwerpunkten gefordert. Auslöser waren die große Hitze des Tages in Verbindung mit zum Abend hin aufziehenden Gewittern mit Starkregen, die im Kreisgebiet für zahlreiche Einsätze sorgten. Insgesamt waren rund 300 Kräfte im Kreisgebiet im Einsatz. Hohe Temperaturen beim Konzert auf der Freilichtbühne Loreley Auf der Freilichtbühne Loreley fand ein Konzert von Roland Kaiser mit rund 12.500 Besuchern statt. Wie bei Veranstaltungen dieser Größenordnung üblich, war die Technische Einsatzleitung (TEL) des Rhein-Lahn-Kreises standardmäßig einsatzbereit vor Ort. Wegen der tagsüber hohen Temperaturen kam es im Laufe des Abends zu vermehrten Fällen von Erschöpfung und Dehydrierung unter den Besucher. Vorsorglich wurden zur Unterstützung des Sanitätsdienstes vor Ort die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Sanität des Kreises alarmiert, musst jedoch nicht in Anspruch genommen werden. Gewitterfront mit Starkregen und stark steigenden Pegeln Im Verlauf des Abends und der beginnenden Nacht zogen Gewitter mit Starkregen über den Rhein-Lahn-Kreis hinweg. Die Pegel der südlichen Zuflüsse der Lahn – insbesondere von Dörsbach, Mühlbach und Aar – stiegen daraufhin rasch an. An einzelnen Messstellen wurden Wasserstände registriert, die sich nach ersten Einschätzungen in Bereichen eines sogenannten 50-jährlichen Hochwasserereignisses bewegen könnten. Insgesamt waren die Feuerwehren und weiteren Einsatzkräfte im Kreisgebiet mit mehr als 60 unwetterbedingten Einsätzen befasst. Schwerpunkte waren unter anderem überflutete Straßen, umgestürzte Bäume und witterungsbedingte Einsatzanlässe. In den betroffenen Bereichen wurde vorsorglich eine Bevölkerungswarnung über die gängigen Warn-Apps sowie per Mobilfunk herausgegeben. Mittelaltermarkt in Katzenelnbogen abgesagt – Zeltlager geräumt Besonders betroffen von den steigenden Wasserständen war der Bereich Katzenelnbogen. Aufgrund des rasch steigenden Pegels des Dörsbachs musste der für dieses Wochenende geplante Mittelaltermarkt kurzfristig abgesagt werden. Ein in diesem Zusammenhang aufgebautes Zeltlager wurde vorsorglich aus Sicherheitsgründen geräumt. Die Teilnehmer wurden in der Stadthalle Katzenelnbogen untergebracht. Vor Ort übernehmen die SEG Versorgung und die SEG Betreuung die Verpflegung und Betreuung der Betroffenen. Die Bürgermeisterin der Stadt Katzenelnbogen zeigte Verständnis für die notwendige Räumung des Mittelalterlagers und dankte den Organisatoren sowie allen eingesetzten Kräften für ihr umsichtiges und schnelles Handeln. Dachstuhlbrand nach Blitzeinschlag in Dachsenhausen Gegen 20.30 Uhr kam es in Dachsenhausen infolge eines Blitzeinschlags zu einem Brand im Bereich eines Dachstuhls. Im Einsatz waren die Feuerwehren Dachsenhausen, Braubach, Dahlheim sowie die Feuerwehr Lahnstein mit der Drehleiter. Durch das schnelle Eingreifen der Einsatzkräfte konnte der Brand zügig unter Kontrolle gebracht werden. Personen wurden dabei nicht verletzt. Da sich die Kreisbereitschaft der Feuerwehren am heutigen Tag auf einer bereits länger geplanten Großübung befand, eilte Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Guido Erler von der Übung nach Dachsenhausen, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu verschaffen und die örtlichen Einsatzkräfte zu unterstützen. Führungsstab im Gefahrenabwehrzentrum Lollschied im Einsatz Der Führungsstab des Rhein- Lahn-Kreises ist im Gefahrenabwehrzentrum in Lollschied im Einsatz. Von dort aus werden die Gesamteinsatzlage, die Wetterentwicklung und die Pegelstände kontinuierlich beobachtet und bewertet. Die operativen Einsätze werden durch die örtlich zuständigen Feuerwehren und Verwaltungen geführt; der Führungsstab unterstützt bei der übergreifenden Koordination und stellt bei Bedarf zusätzliches Material und Einsatzkräfte zur Verfügung. Der Direktionsdienst des Lagezentrums ist ebenfalls in Lollschied vertreten und begleitet die Lage beobachtend.  „Unser Dank gilt allen Einsatzkräften von Feuerwehren, Rettungsdienst, Polizei und den beteiligten Behörden, die heute unter teils schwierigen Bedingungen im Einsatz sind“, betont Landrat Jörg Denninghoff „Die gute Zusammenarbeit aller Akteure zeigt, wie leistungsfähig der Brand- und Katastrophenschutz in unserem Landkreis ist.“ Quelle: Team Medien des Rhein-Lahn-Kreises
Blick ins Lagezentrum in Lollschied
Der Dörsbach unterhalb des Klosters Arnstein. Von23 Zentimetern auf gute zwei Meter stieg der Pegel gestern an. Befürchtet wurde ein noch höherer Pegelstand - weiterer Regen kam aber nicht im Einzugsgebiet des Dörsbachs runter.
In diesem Wohnhaus in Seelbach kam das Wasser durch die Wohnzimmerwand, überflutete Erdgeschoss und Hof.