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Kandidat schmückt sich mit fremden Farben

Wahlwerbung des angeblich unabhängigen Kandidaten sorgt für Verwirrung und Ärger - wurden bewusst FDP-Farben benutzt?

Nassau / VG Bad Ems-Nassau | 30. Juli 2026 | (ww). Seit gestern häufen sich bei der FDP-Fraktion in der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau aber vor allem beim Vorsitzenden Markus Bodo Wieseler Anfragen, warum die FDP, die sich bislang im Wahlkampf für den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau bewusst neutral hält, sich angeblich hinter den unabhängigen, aber von der SPD nominiert und unterstützten Kandidaten, Manuel Minor stellt. Bei Wieseler, der gleichzeitig auch Kreisvorsitzender der Liberalen ist, sorgten die Anfragen zunächst für Stirnrunzeln – bis er das Foto eines Wahlkampfbanners aus Nassau erhält. Darauf lächelt Minor vor klassischer Nassauer Kulisse mit dem Slogan „Unser Kandidat“. Hinterlegt sind aber eindeutig die seit Jahren bzw. Jahrzehnten nur von der FDP verwendeten und klassisch mit ihr verbundenen Farben Blau und Gelb. Der Eindruck den das Plakat erweckt: hier stellt die FDP „ihren“ Kandidaten vor sorgt für Unverständnis und Ärger.

Nicht der erste Foto-Fauxpas des betont unabhängigen, bzw. parteilosen Kandidaten. Dazu muss ganz klar festgehalten werden:egal wie neutral der Kandidat sich gerne darstellen möchte – seinen Wahlkampf planen und unterstützen erfahrene Genossen. Allen voran die Grand Dame der SPD in der Verbandsgemeinde und im Kreis, Gisela Bertram, aber auch die ehemalige Arzbacher Bürgermeisterin Marlene Meyer, Nassaus Stadtbürgermeister Manuel Liguori, Dausenaus Bürgermeisterin Michelle Wittler und Nastättens Stadtbürgermeister Marco Ludwig (alle SPD) zählen mindestens zum Berater- oder Unterstützerteam des natürlich trotzdem absolut unabhängigen Kandidaten. Dass diese nach Jahren und teilweise Jahrzehnten des aktiven Wahlkampfes keine Kenntnis des mit den politischen Parteien verbundenen Farbspektrums hätten, kann nur belächelt werden.

FDP stellt klar: Keine Unterstützung für Bürgermeisterkandidaten Minor

„In der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau – konkret im Zusammenhang mit einem in Nassau aufgestellten Banner – ist es in den vergangenen Tagen zu Nachfragen und Verwirrung in der Öffentlichkeit gekommen. Mehrfach – mittlerweile schon im wirklich nervender Anzahl – wurde ich, aber auch andere Mitglieder der FDP darauf angesprochen, ob der freie Bürgermeisterkandidat Minor unterstützt werde oder ob es sich sogar um einen Kandidaten der FDP handele. Dazu stellt die FDP in der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nasau ausdrücklich klar: Wir unterstützen diesen Kandidaten nicht und er steht in keinerlei Verbindung zur FDP“, so Bodo Wieseler in einer Pressemitteilung heute Abend.

„Der Kandidat Minor tritt formal als unabhängiger Bewerber an, ist jedoch politisch der SPD zuzuordnen, da er aus diesem Umfeld heraus aufgestellt wurde. Zudem verwendet er Plakate bzw. ein Banner in der auffälligen Farbgestaltung, die in der öffentlichen Wahrnehmung eindeutig und schon lange mit der FDP verbunden wird. Die FDP betont, dass weder die Farbwahl noch die Gestaltung des Wahlmaterials in irgendeiner Weise abgesprochen ist oder in irgendeinem Zusammenhang mit der Partei steht. Wir distanzieren uns ausdrücklich und fordern von Herrn Minor auch, dass er das künftig unterlässt, bzw. das Banner nicht weiter verwendet. Die FDP stellt zudem klar, dass sie weiterhin keinen Bürgermeisterkandidaten unterstützt. Zur Einordnung wurde ein Foto des betreffende Banners aus Nassau der Presse zur Verfügung gestellt“, heißt es in der Stellungnahme der Verbandsgemeinde-FDP weiter.

An einen Zufall mag in den Reihen der Liberalen niemand glauben. „Die wissen genau was sie machen. Das war weder eine Versehen, noch eine zufällige Farbwahl. Da wird bewusst versucht einen falschen Eindruck zu erwecken“, wendet sich ein FDP-Mitglied an die 56aktuell-Redaktion. Doch nicht nur die Farbauswahl stimmt die Liberalen sauer. Ein weiteres Mitglied schreibt per Whatsapp: „„ ,Unser Kandidat‘ heißt es da. Wessen Kandidat denn? Herr Minor ist doch angeblich parteilos, als Einzelbewerber also niemandes Kandidat“, eine andere Äußerung betrifft weitere Implikationen: „Soll das Rathaus im Hintergrund etwa den Eindruck erwecken, er sei Nassaus Kandidat? Warum machen sie es nicht einfach in Rot und schreiben auch die Partei dabei? Ist das inzwischen zu peinlich in Rheinland-Pfalz?“. In der Tat erweckt das Rathaus einen im Wahlkampf eher grenzwertigen Eindruck, legal ist die Nutzung des Symbols aber wahrscheinlich schon – die Nutzung des Nassauer Stadtwappens zum Beispiel wäre verboten.

Mehr als grenzwertig ist aber ein weiterer Fauxpas: Wahlplakate in Rheinland-Pfalz müssen ganz klar ein presserechtliches Impressum mit Namen und Anschrift des Verfassers, Verantwortlichen beziehungsweise Herstellers tragen, das auch als solches gekennzeichnet ist. Dazu gehört auch zwingend der jeweilige Begriff, wie zum Beispiel „Verantwortlich i. S. d. P.“ – dieser Zusatz fehlt aber bei der sowieso im durchscheinenden Licht schlecht zu erkennenden Adress-Angabe rechts oben. Müsste das nicht gerade ein Kandidat, der als Kernkompetenz Verwaltungsfachmann angibt und Dozent an einer Verwaltungshochschule ist, wissen und vor allem beachten?

Bodo Wieseler und seine FDP-Kollegen jedenfalls fühlen sich „ungefragt vor den Karren gespannt“ und finden „das sollte Herr Minor schnellstens im angebrachten Rahmen klar stellen!“

Übrigens sorgt auch noch ein weiteres Banner von Minor für Miss-Stimmung: Mit dem Slogan Kompetenz statt Kumpanei fordert Minor darauf auf, „den Rathaus-Profi“ zu wählen. Soll das etwa wirklich bedeuten, dass im roten Bad Emser Rathaus unter Bürgermeister Uwe Bruchhäuser bislang Kompetenz gefehlt und Kumpanei (laut Duden eine verdächtige Zusammenarbeit / heimliche Absprache gegen Regeln oder Gesetze, die Red.) geherrscht hat? Und war denn Bruchhäuser KEIN Rathaus-Profi? Ob der bisherige Verwaltungschef (SPD) bei diesen Vorhalten noch lange Minor-Unterstützer bleibt? Fragen über Fragen – auf die es hoffentlich zum Beispiel bei der gemeinsamen Podiumsdiskussion von FWG und FDP mit allen drei Bürgermeisterkandidaten am Montag, 10. August in der Brunnenhalle von Häckers Grand Hotel auch Antworten gibt.