Bad Ems / Nassau | 21. September 2026 | Willi Willig. Oliver Krügel heißt der nächste Mann auf dem Chefsessel der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau. Der amtierende Bad Emser Stadtbürgermeister hat die Stichwahl am gestrigen Sonntag für sich entschieden. Die öffentliche Bekanntgabe der Ergebnisse im kleinen Sitzungssaal des Rathauses in Bad Ems war nur im Vordergrund spannend – schnell war klar, dass Herausforderer Manuel Minor zwar die zuerst ausgezählten Gemeinden in der Alt-VG-Nassau für sich entscheiden konnte, diese aber von der Zahl der Wahlberechtigten bzw abgegebenen Stimmen aber keine entscheidende Rolle spielen würden. Trotzdem lag Minor bis fast zur Hälfte der ausgezählten Bezirke vom Prozentwert und der Höhe des Balkens im Diagramm vorne – das änderte sich aber, als das Ergebnis aus der ehemals „roten Hochburg“ Arzbach eingespielt wurde. Plötztlich führte Krügel mit deutlichem Abstand – und das sollte auch bis zum Ende des Abends und dem offiziellen Glückwunsch durch Amtsinhaber Uwe Bruchäuser so bleiben. Letztlich stimmten 53,7 Prozent der Wähler in der Stichwahl für Krügel, der bereits im ersten Wahlgang am 6. September deutlich vorne lag.
Der blieb übrigens auch im Siegestaumel fair wie im gesamten Wahlkampf und fand Worte der Anerkennung für den unterlegenen Mitbewerber. Manuel Minor hatte sich in der Woche vor der Stichwahl von der bis dahin – sogar vom anfänglich dritten Mitbewerber Lino Schmidt von der AFD(!) – gelebten Fairness im Wahlkampf verabschiedet und Krügel mit Plattitüden wie etwa „Bratwürstchen, viel Wahlgeld und große Show statt Inhalte“ oder unbewiesenen Allgemeinplätzen wie „Wahlversprechen, die man nicht halten kann“ oder „Politik ohne Transparenz“ auf einem Flyer versucht zu diskreditieren und anzugreifen. Doch um in den Worten der Wahlkampfanzeigen desselben, am Ende unterlegenen Bewerbers zu bleiben: „Pustekuchen“! Rund 700 Wähler machten ihr Kreuzchen bei Krügel anstatt bei Minor.
Besonders erwähnenswert: gleich drei ehemalige Stimmengaranten gegen jeden CDU-Kandidaten, die „roten“ Gemeinden Arzbach, Dausenau und Singhofen, gingen jetzt an Krügel. Im ersten, als auch – nochmals gesteigert – im zweiten Wahlgang. In Arzbach votierten im ersten Wahlgang 53,3, im zweiten 61,2 Prozent für Krügel. In Dausenau entschieden sich am 6. September 51,1 Prozent für Krügel, gestern dann (auch) 61,2 Prozent und in Singhofen wählten zuerst 43,3 Prozent Krügel (da gingen auch noch gut 15 Prozent an den AFD Bewerber), jetzt holte er mit 51 Prozent auch dort die Mehrheit.
Am 10. Januar endet die achtjährige Amtszeit von Uwe Bruchhäuser. Bis dahin wird Oliver Krügel nach eigenen Worten eine „geordnete Übergabe der Amtsgeschäfte des Stadtbürgermeisters durchführen. Dann wird er der zweite Bürgermeister der noch jungen Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau. 56aktuell wünscht gutes Gelingen bei den anstehenden Aufgaben!
Ein Kommentar von Willi Willig:
Lies Verzweiflung auf den letzten Metern die Nerven flattern?
Da halfen dann auch alle Durchhalteparolen und Versuche der last-minute-Meinungsmache im BEN-Kurier, nichts. Auch der aus meiner Sicht unsägliche Flyer mit den oben zitierten „Inhalten“ und die zumindest fragwürdigen Aussagen in einer ganzseitigen Anzeige im Mitteilungsblatt fanden beim Wähler nicht den gewünschten Effekt. Heute versuchte der (Achtung doppeltes Wortspiel!) MINORity-Report, T`schuldigung, der Kurier dann sogar unterschwellig Minor, wie 2001 Schalke04, zum „Meister der Herzen“ zu küren. Doch die Anzahl der Gemeinden, in denen eine Wahl gewonnen wurde ist in unserem Wahlrecht nun mal nicht der ausschlaggebende Faktor. Die Anzahl der abgegebenen Stimmen entscheidet. Weil eben nicht Gemeinden wählen, sondern Menschen! Und deren Nöte, Sorgen und Problemchen bei einer Bratwurst abzufragen, halte ich persönlich für wesentlich cleverer als Diffamierungen in bunten Flyern.
Abgesehen davon hat es natürlich auch einen Grund warum die Ergebnisse am Abend nur anfangs in Richtung Minor wiesen – 46 Stimmen in Zimmerschied sind nunmal eben schneller ausgezählt als beispielsweise über 2500 in Bad Ems. Auf der „Haben-Seite“ brachte Zimmerschied dem Kandidaten Minor allerdings nur einen Vorsprung von grade einmal 18 Stimmen, wohingegen Krügels Sieg im auch nicht riesigen Becheln direkt 130 Stimmen Vorsprung lieferte, die 61 Prozent in Arzbach schon fast 200.
Am meisten stört mich aber immer noch, dass Herausforderer Minor sich Gebetsmühlenartig auf die Unabhängigkeit und Parteilosigkeit berief, allerdings deutlich – das war schon bei den meisten Orts- und Festbesuchen, dem unvermeidlichen Klinkenputzen oder der Finanzierung von großformatigen Anzeigen deutlich zu sehen, gerne auf SPD-Parteistrukturen zurückgriff. Oliver Krügel ging von Anfang an als CDU-Kandidat ins Rennen. Minor der (parteilos) für die SPD-Fraktion im Nassauer Stadtrat sitzt und sogar von einem SPD-Gremium als Kandidat gewählt und am Freitag nach Karneval vorgestellt wurde – wenn Vornamensvetter Manuel Liguori nicht schwindelte – war die offizielle SPD-Unterstützung wohl in Zeiten schwindender Stimmenanteile der Genossen eher hinderlich.
Doch wenn man mal ganz neutral die Auswirkungen einer CDU-Angehörigkeit am gestrigen Sonntag, dem Tag der Stichwahl in Bad Ems, an den Beispielen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern betrachtet, dann darf man auch hier gerne mal schätzen, welchen Vorsprung Oliver Krügel ohne den aktuellen „Friedrich Merz-CDU-Malus“ eingefahren hätte. Aber Oliver Krügel hat jedenfalls niemandem ein X für ein U vorgemacht.

