Nassau | 5. November 2026 | Willi Willig. Zur großen Familien-Halloween Party hatte pura Vita in Nassau am vergangenen Samstag eingeladen. Doch warum wird ein sozialtherapeutischer Leistungsanbieter im Bereich der Eingliederungshilfe für psychisch kranke Menschen plötzlich zum Veranstalter? Die Antwort ist ganz einfach: Weil Öffentlichkeitsarbeit zur Arbeit mit den Klienten, die in der Emser Straße mindestens vorübergehend leben ganz einfach dazu gehört. Weil pura Vita-Chef Martin Bollinger mit Team und Bewohnern mit dem „Suppenbüdchen“ und diversen in der Therapie zur beruflichen (Wieder-)Eingliederung hergestellten Produkten schon lange ein etablierter und sehr öffentlicher Bestandteil des Nassauer Lebens ist. Und : weil es „Großes“ zu verkünden gab und die vom Radiosender RPR1 begleitete Familien-Halloween-Party ein idealer Rahmen dafür war. Aber vor allem: weil Martin Bollinger und Team es können! Davon durfte ich mich schon in der monatelangen Vorbereitung, aber auch am Halloween-Samstag vor Ort überzeugen.
Als Martin Bollinger mir bei einer Tasse Kaffee in seinem Büro zum ersten Mal von der Idee erzählte „den nächsten Schritt“ zu gehen, war mir schnell klar. Das wird ein „dickes Brett“ – aber wenn es einer bohren kann, dann der sympathische und vor Ideen strotzende Bollinger. Wir kennen uns schon seit Jahren, eher Jahrzehnten. Bollingers Herangehensweise an seine „Herzensangelegenheit“ die Arbeit im sozialen, pflegerischen, therapeutischen Bereich bricht aus gewohnten Strukturen aus. Mit der pura Vita GmbH, dem privaten Träger der Eingliederungshilfe mit den Standorten Nassau, Selters und Baar in der Eifel, hat er sich einen Lebenstraum erfüllt, in dem der Mensch – im pura Vita-Sprachgebrauch Klient – im absoluten Mittelpunkt steht. Und in dem auch mal bis dato eher sehr eingelaufene Pfade verlassen werden. Dafür kämpft Bollinger mit Behörden und Institutionen auch mal mit „harten Bandagen“, wenn das für seine Klienten nötig ist. Für Martin Bollinger ist das normal. Für das pura Vita-Team offenbar aber genauso.
Und hier sind wir an dem Punkt, an dem es für mich schwer wird, es zu beschreiben. Ich sag` ganz einfach wie es ist: für mich wäre die Arbeit mit den psychisch Erkrankten keine Option. Ich bin manchmal schon mit einzelnen Eindrücken bei einem eher kurzen Besuch „überfordert“. Wenn ich aber sehe, wie das gesamte puraVita Team mit dem Alltag umgeht, dann wird auch mir schnell klar: hier arbeitet man nicht, hier folgt man der klassischen Herkunft des Wortes „Beruf“ – hier sind Menschen tätig, die einer Berufung folgen. Das gilt bestimmt in einer Vielzahl von ähnlichen Einrichtungen, bei pura Vita wird das aber schon im Auswahlprozess, beziehungsweise der Kennenlern-Phase gelebt. „Neue Mitarbeiter müssen vor allem ins Team passen. Die sind nicht einfach zu finden, aber wenn wir uns einmal gefunden haben, ist die Bindung meist auch dauerhaft“, umschreibt Bollinger Stellenprofil und erfreuliche Auswirkung. „Wir suchen natürlich immer – wie der gesamte Gesundheits- , Pflege und Therapiebereich. Aber dabei steht hier nicht der Stellenplan im Vordergrund, sondern das jeweilige Potential des Einzelnen. Natürlich gibt es Arbeitszeiten, aber es ist eben kein klassischer 9 bis 17 Uhr-Job. Und es muss vor allem menschlich passen“, beschreibt Bollinger.
Das zeigt sich auch beim Projekt „Familien-Halloween mit RPR 1“. Beziehungsweise noch mehr bei dem, was dazu geführt hat. Nämlich die Idee, das mittlerweile etablierte „Suppenbüdchen“ auf das nächste Level zu bringen. Das „Suppenbüdchen“-Konzept war von Anfang an Teil der (Arbeits-)Therapie. „Fließbandmäßiges und eher stumpfsinniges Zusammenbauen von Teilen zum Beispiel für Automobilzulieferer ist nicht das, was den Klienten weiterbringt. Da muss eine Aufgabe dahinter stecken und die Tätigkeit muss auch Freude bieten – durch die Tätigkeit selbst und durch Erfolge“, fasst Bollinger zusammen. Das „Suppenbüdchen“ machte das möglich. Zunächst einmal pro Woche wurden unter Anleitung und mit professioneller Unterstützung gemeinsam mit Klienten eine Suppe oder ein Eintopf zubereitet und Donnerstags im „Büdchen“ angeboten. Schnell machte sich der Service zum Essen vor Ort, aber auch zum Mitnehmen in bepfandeten oder mitgebrachten Behältern in Nassau und Umgebung einen Namen. Das „Suppenbüdchen“ hatte eindeutig leckeres Fanpotential und war für zahlreiche Menschen aus dem Umfeld fester Bestandteil der Wochenroutine am Mittagstisch.
Doch die gastronomischen Möglichkeiten der eigentlich eher haushaltsüblichen Küche stießen an ihre Grenzen – Erweiterungspotential war praktisch nicht vorhanden, vor allem mengenmäßig war die Küche eingeschränkt. Für das „Upgrade“ des Angebots waren zunächst umfangreiche Investitionen nötig. Nach umfangreicher Recherche investierte Bollinger in eine echte Gastroküche und auch die dafür notwendige Infrastruktur musste aufwändig angepasst werden: neue, größere Stromanschlüsse und eine Lüftungsanlage mussten ran. Das Ziel: nicht nur ein, sondern gleich zwei Tage sollte der „Suppenbüdchen“-Nachfolger geöffnet sein, mit deutlich erweitertem Angebot und der Möglichkeit auch „den einen oder anderen runden Geburtstag oder auch mal eine Firmenfeier beliefern zu können. Nicht als Voll-Caterer, aber zum Beispiel mit Currywurst für 50 Personen oder Nudeln und Bolognese-Sauce zu beliefern“, veranschaulicht Martin Bollinger. Zur Umsetzung des Plans gehörte aber auch schon die frühzeitige Teamerweiterung um einen erfahrenen Koch – mit Jens Nocher war die ins pura Vita-Profil passende Ergänzung schlauerweise schon in der Planungsphase gefunden. Rund zehn Monate sollten aber noch vergehen, bis „Stufe 2“ dann wirklich an den öffentlichen Start ging.
Und auch dieser Start ist eigentlich schon wieder pura Vita, beziehungsweise Bollinger-typisch: Ein neuer Name – „Sattmacherei“, meiner Meinung nach ein echter Knaller – natürlich mit entsprechendem Logo – meiner Meinung nach ist der „Knaller da bombastisch umgesetzt und der sehr öffentlichkeitswirksame Startschuss waren quasi Pflicht. Damit schließt sich auch der Kreis und wir sind wieder am Anfang dieses Artikels – beim Familien-Halloween mit RPR1 und der mittlerweile beantworteten Frage, warum eine Einrichtung wie pura Vita zum Party-Veranstalter wird: weil Martin Bollinger und Team es einfach können. „Jeder im Team war begeistert und sofort dabei, als es um Vorbereitung und Ablauf des Samstags ging“, schwärmt Bollinger. Diese Begeisterung jedes Einzelnen zeigt sich aber auch in jedem Gespräch mit den hochmotivierten, aufwändig verkleideten und absolut sympathischen Menschen dieses außergewöhnlichen Teams. Ich durfte im Laufe meines Berufs- und Ehrenamtslebens schon etliche Veranstaltungen begleiten. Eine, bei der wirklich jeder „Angestellte“, also jeder der dort arbeiten „muss“, wo andere gerade zum Vergnügen sind und auch der Chef selbst durchgehend dieses sprichwörtliche Strahlen in den Augen hat, wenn es im Gespräch um Einrichtung, Klienten oder die beiden gemeinsamen Projekte „Familien-Halloween“ und die „Sattmacherei“ geht.
Das 56aktuell-Fazit: In der Emser Straße ist ein tolles Team mit viel Herzblut für eine wichtige Aufgabe im Einsatz. Mit der „Sattmacherei“ ist der pura Vita-Crew ein gleich in mehrfacher Hinsicht geradezu aufdringlich offensichtlich sinnvoller Coup gelungen.
So steht erstens zum Beispiel gerade mindestens eine Klientin im Küchenteam vor einem beruflichen Wiedereinstieg als Hauswirtschafterin – und ihre Augen strahlen ebenfalls, wenn sie über ihre Tätigkeit spricht. Zweitens konnte sich die Einrichtung mit der Familien-Halloween-Party einmal mehr einer breiten Öffentlichkeit als Teil des Nassauer Lebens zeigen. Und Drittens wird da Dienstags und Donnerstags (und auf Anfrage auch für Festlichkeiten jeder Art) echt Leckeres mit viel Engagement und „Herzblut“ produziert.
Jetzt seid ihr am Zug: gebt der „Sattmacherei“, dem Team und den Klienten eine Chance und lasst euch mal blicken. Mindestens auf der Internetseite, viel lieber aber persönlich und vor Ort: man sieht sich – dienstags und/oder donnerstags von 11 bis 14 Uhr an der „Sattmacherei“ in der Emser Straße 16 in Nassau!





















