Lahnstein / Fachbach | 23. April 2026 | Willi Willig. Gestern fand vor dem Lahnsteiner Amtsgericht der Prozess gegen den 28-Jährigen Lahnsteiner Lars A. statt, der bis Ende März als Erzieher in der Kita St. Katharina in Fachbach angestellt war. Ihm wurde zu Last gelegt, in sechs Fällen jeweils 20 Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten über den anonymisierten Messengerdienst Kik verteilt zu haben. Die fraglichen Dateien seien nicht vom Angeklagten selbst erstellt worden. Die Verhandlung fand öffentlich statt, eine 9. Klasse aus dem Bad Emser Goethe-Gymnasium verfolgte den pikanten Prozess als Zuschauer im Rahmen des Sozialkundeunterrichts. Bis die Jugendlichen über das bei Gericht erlebte öffentlich sprachen, waren weder Kollegen des Angeklagten noch die Elternschaft in der Fachbacher Kita durch den Träger der Einrichtung, das Bistum Limburg, informiert worden.
Zur Anklage kam es, weil sich der Erzieher selbst in Therapie begeben hatte, diese aber abbrach. Die als Zeugin im Prozess geladene Therapeutin zeigte den jungen Mann daraufhin bei der Staatsanwaltschaft an. „Das Verfahren wurde durch die Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen, nachdem eine frühere Therapeutin eine, den Verurteilten belastende, Aussage getätigt hat“, teilt Richter Ludger Griesar auf 56aktuell-Anfrage dazu mit. Mittlerweile befindet sich der junge Mann wieder in Therapie, die nun auch Teil der Bewährungsauflage ist. Weitere Bewährungsauflagen sind: eine Bewährungszeit von drei Jahren, die Unterstellung und Aufsicht durch einen hauptamtlichen Bewährungshelfer; neben der o.a. Fortführung, auch der regelmäßige Nachweis über die laufende psychologische Therapie sowie die Anzeige jedes Wohnsitzwechsels. Von Gesetzes wegen erfolgt auch die Eintragung im Führungszeugnis. Damit ist eine weitere Beschäftigung im bisherigen Berufsfeld faktisch ausgeschlossen.
In der Fachbacher Kita, wo der Angeklagte überwiegend in einer Gruppe für Kinder unter drei Jahren eingesetzt war, soll es nicht zu übergriffigen Handlungen gekommen sein. „Nach unserem Kenntnisstand gab es kein Fehlverhalten des Mitarbeiters zum Nachteil, der uns anvertrauten Kindern in unserer Einrichtung“, teilt der Pressesprecher des Bistums Limburg, Stephan Schnelle, auf 56aktuell-Anfrage mit. Richter Ludger Griesar teilt zum gleichen Fragekomplex knapp aber nachvollziehbar mit: „Das war nicht Gegenstand des Anklagevorwurfes.“ Im gleichen Wortlaut muss der zuständige Richter, der gleichzeitig Direktor des Lahnsteiner Amtsgericht ist, leider die Frage kommentieren, ob ein mögliches Gefährdungspotenzial für Kinder und Jugendliche durch den Angeklagten im Verfahren ausgeschlossen werden konnte. Ermittlungen zu möglichen übergriffigen Handlungen gab es in der Fachbacher Kita jedenfalls nicht. Auch die Kolleginnen in der Gruppe in der A. eingesetzt war, erfuhren erst heute, am Tag nach dem Urteil, von den mittlerweile rechtskräftig geahndeten Verfehlungen ihres Ex-Kollegen.
Wenn auch nicht gerade mit einer transparenten und zeitgemäßen Informationsstrategie, so hat das Bistum im Bezug auf den Angeklagten sofort gehandelt. „Wir haben im Januar 2026 über öffentliche Stellen erfahren, dass gegen den Mitarbeiter ein Verfahren wegen Besitzes kinderpornografischen Materials geführt wird. Daraufhin haben wir sofort gehandelt und den Mitarbeiter am selben Tag freigestellt. Das Arbeitsverhältnis wurde inzwischen beendet. Der Schutz und das Wohlergehen der Kinder stehen für uns an oberster Stelle. Deshalb haben wir unmittelbar und konsequent gehandelt“, so Bistums-Pressesprecher Stephan Schnelle gegenüber 56aktuell. Für die Kollegen in der Kita war der studierte Sozialpädagoge jedoch ohne jede Erklärung einfach verschwunden.
Das blieb auch bis zum gestrigen Tage so. An die Öffentlichkeit gelangte die Thematik nur durch den eingangs erwähnten Besuch der Schulklasse in der Gerichtsverhandlung. Eltern hatten nach Gesprächen über diesen Gerichtsbesuch Kontakt zur 56aktuell-Redaktion aufgenommen und angefragt, warum darüber nicht berichtet würde. Erst am Morgen nach der 56aktuell-Anfrage wurde dann das Kita-Team informiert, eine Information an den Elternausschuss erfolgte in einer Sondersitzung heute Abend. In der Fachbacher Kita hat die Nachricht heute jedenfalls wie eine Bombe eingeschlagen. Kitaleitung, Bistumsvertreter aber vor allem das engagierte Erzieher(innen)-Team zeigte sich extrem bestürzt und ungewöhnlich wortkarg. Was bleibt sind Zweifel. „So etwas will niemand im Zusammenhang mit einem Menschen hören, dem man sein Kind anvertraut hat. Wer kann denn wirklich sicher sagen, dass dieser Erzieher nie alleine mit einem Kind war? Wer legt seine Hand dafür ins Feuer, dass es da niemals auch nur zu einem Fehlverhalten kam?“, so ein Vater vor der Kita gegenüber 56aktuell. In der Kita wird es jedenfalls noch viel zu tun geben, bis das durch den einzelnen Handelnden zerstörte Vertrauen wieder hergestellt ist.
Die Aufarbeitung dazu beginnt jetzt, dazu ist es erforderlich die Kita morgen Nachmittag, am Freitag, 24. April, zu schließen. Dazu und zum Sachverhalt erfolgte heute Abend eine Information an alle Eltern der Einrichtung, die hier im Wortlaut wiedergegeben ist:
Liebe Eltern,
wir möchten Sie heute transparent über eine Situation informieren. Anfang Januar 2026 haben wir über öffentliche Stellen (Behörde) davon erfahren, dass gegen einen Mitarbeiter ein Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials geführt wird. Wir haben daraufhin umgehend gehandelt und den Mitarbeiter noch am selben Tag freigestellt. Inzwischen wurde das Arbeitsverhältnis beendet. Nach unserem Kenntnisstand ist der ehemalige Mitarbeiter mittlerweile rechtskräftig verurteilt worden. Uns ist wichtig, diese Information klar einzuordnen:
Nach allem, was uns vorliegt, gab es kein Fehlverhalten zum Nachteil von Kindern in unserer Einrichtung. Auch bestand nach unserem Kenntnisstand zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung für die uns anvertrauten Kinder.Der Schutz und das Wohlergehen der Kinder haben für uns oberste Priorität. Deshalb war es für uns selbstverständlich, unmittelbar und konsequent zu handeln und die zuständigen Stellen einzubeziehen. Gleichzeitig wissen wir, dass eine solche Nachricht Fragen, Unsicherheiten oder auch Sorgen auslösen kann. Bitte zögern Sie nicht, uns anzusprechen.
Über den Sachverhalt wurden heute auch die Mitarbeitenden informiert. Zur Unterstützung der Kolleg:Innen finden morgen Nachmittag begleitende Gespräche statt. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass morgen (24.4.26) die Einrichtung bereits um 12.45h schließt und kein Schlafangebot möglich ist.

