Hachenburg | 09. Mai 2026 | Luca Weilberg. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, kaum eine Wolke: Das Wetter hätte nicht besser sein können. Auf dem Außengelände der Rundsporthalle in Hachenburg veranstaltete der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Westerwald seinen ersten Blaulicht-Tag. Ein 60-Tonnen-Kran, Diensthunde der Polizei Koblenz, echte Einsatzfahrzeuge zum Anfassen – und dabei gelang etwas Seltenes: ernste Themen mit echtem Kinderlachen zu verbinden.
„Wir sind Zeitschenker“ – Der Kinderhospizdienst Westerwald stellt sich vor
Hinter dem Tag steckt Jessica Lehnen, Standortleiterin des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Westerwald der Deutschen Kinderhospiz Dienste e.V. Ihr Dienst begleitet Familien nicht erst in den letzten Tagen – sondern von der Diagnose an, oft über viele Jahre. Ehrenamtliche entlasten, hören zu und schaffen Momente der Normalität in einem Alltag, der alles andere als normal ist. „Wir sind Lebensbegleiter von Anfang an einer Diagnose bis zum Tod und darüber hinaus über viele, viele Jahre. Wir sind Zeitschenker“, sagt Lehnen. Für sie war der Tag auch ein Mittel gegen die Scheu vor dem Wort „Hospiz“ – und ein Ort, an dem betroffene Familien sich gegenseitig finden können. Besonders die Geschwisterkinder erkrankter Kinder, oft die stillen Begleiter dieser Familien, sollten einen Tag erleben, der ganz ihnen gehört.
Die Blaulichtfamilie aus dem Westerwald – Ein Netzwerk stellt sich vor
Die Mitwirkenden des Tages zeigten, wie breit die Blaulichtfamilie aus dem Westerwald aufgestellt ist: Polizei Hachenburg, Diensthundestaffel des Polizeipräsidiums Koblenz, DRK Hachenburg und Selters, DRK Rettungswache Hachenburg, Kreisfeuerwehrverband, THW, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, JVA Koblenz, Feuerwehr Maroth, Feuerwehr Marienrachdorf, Feuerwehr Hachenburg sowie der ASB Wünschewagen – alle präsent, alle nahbar, alle ansprechbar.
Marc Holl, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Maroth und Mitorganisator, bringt es auf den Punkt: „Die Leute sollen sehen, dass wir für die Gemeinden jederzeit vor Ort sind – und nicht nur eine „Feierwehr“ sind, sondern auch eine Feuerwehr.“ Sein Ziel für die Familien formuliert er klar: „Wir möchten, dass betroffene Familien das Hospiz kennenlernen und eine Anlaufstelle finden, um die nötige Unterstützung zu finden.“
ASB Wünschewagen Rheinland-Pfalz – Letzte Wünsche, ganz in der Nähe
Einer der bewegendsten Stände gehörte dem ASB Wünschewagen Rheinland-Pfalz. Projektkoordinatorin und Wünscheerfüllerin Manuela erklärte das Projekt so: „Wir erfüllen letzte Herzenswünsche von Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind – und fahren mit ihnen noch einmal an ihren Herzenswunschort, was ganz oft ganz in der Nähe liegt.“ Einen Wunsch einreichen können Familie, Hausarzt, Hospizdienst, Palliativstation oder im Grenzfall sogar die Nachbarin. Idealerweise braucht das Team zehn Tage zur Planung. Dabei gilt eine unverhandelbare Regel: Der Fahrgast muss selbst wissen und wollen. Überraschungsfahrten gibt es nicht. Der Wünschewagen finanziert sich ausschließlich über Spenden und Ehrenamt.
60 Tonnen Herzblut – Der Kinderkran der Firma Scholpp
Kaum zu übersehen: ein 60-Tonnen-Mobilkran der Firma Scholpp, extra aus dem Südwesten angereist. Kranfahrerin Annika Geiger (23) ließ Kinder im Führerstand Platz nehmen und selbst einen Schäkel in einen Reifen manövrieren – für viele das erste Mal in einem solchen Gerät. Was die meisten nicht wussten: Der Kran ist Teil eines Charity-Projekts, das Scholpp seit Mai 2017 betreibt. Fünf von Kindern bunt bemalte 50-Tonnen-Krane sind bundesweit im Einsatz – für jede Arbeitsstunde spendet Scholpp drei Euro an bedürftige Kinder, bislang wurden so über 19.000 Mahlzeiten finanziert. „Mit diesem Kran engagieren wir uns jeden Tag für Kinder – deswegen war für uns klar: Für so einen Blaulichttag sind wir auf jeden Fall dabei“, so Geiger.
Leibliche Verpflegung mit Herz – Nikolaus Hofladen Marienrachdorf
Für das leibliche Wohl sorgte der Nikolaus Hofladen aus Marienrachdorf rund um Torsten Höger. Pommes, Kartoffeltornados und kühle Getränke – bei sommerlichen Temperaturen genau das Richtige.
Ein Netzwerk, das trägt – und weiterwächst
Am Ende des Tages war klar: Das war kein einmaliges Ereignis. „Es gibt ganz viel Netzwerk, das Unterstützung geben kann. Es geht nicht darum, auf letzte Wochentage oder Stunden zu gucken – wir begleiten das Leben. Und das über eine ganz, ganz lange Zeit“, fasst Jessica Lehnen zusammen. Der erste Blaulicht-Tag Hachenburg war mehr als eine Veranstaltung – er war ein Zeichen, dass Hilfe, Gemeinschaft und Hoffnung nicht erst in der Krise beginnen.








