Bad Ems | 9. Juni 2026 | (ww). Das „Comeback des Jahres“ heißt „Aurelia“. Die Gute ist im besten Alter von 29 Jahren, 33 Meter lang, etwas über fünf Meter breit und hat mit 450 PS ordentlich „was unter der Haube“. Den Namen „Aurelia“ trägt sie allerdings erst seit einem kompletten „Makeover“ – früher war sie als „Schloss Engers“ und später dann als „Belle Vie“ meistens auf dem Rhein unterwegs. Allerdings hat sie als „Schloss Engers“ schon früher gelegentlich auch Bad Ems besucht. Ab 16. Juni starten ihre Touren mit bis zu 135 Passagieren dann vom Liegeplatz vor „Häcker`s Grandhotel“ an der Bad Emser Kurpromenade.
Mit der Aurelia kehrt nach Jahren der Abstinenz eine der von vielen schmerzlich vermissten und prägendsten touristischen Attraktionen auf die Lahn zurück: Die Lahnschifffahrt in Bad Ems wird am 16. Juni wieder aufgenommen. Nach mehreren Jahren ohne Personenschifffahrt ist es mit gemeinsamen Anstrengungen über Jahre gelungen, ein Schiff, einen neuen Betreiber für den Betrieb auf der Lahn zu gewinnen. Die Handelnden dabei heißen Oliver Krügel, seines Zeichens Stadtbürgermeister von Bad Ems, Christian Hochbein, Unternehmer aus Mainfranken mit seinem Unternehmen Maritime Ventures; Albert Klatte, Kapitän und erfahrener Betreiber mit der Sunflower Flussfahrten GmbH sowie – auch wenn er lieber gerne ganz bescheiden im Hintergrund bleibt – Sascha Häcker, Hotelier aus Bad Ems.
Nachdem der langjährige Unternehmer Wolfgang Schmidt den Betrieb der „Lahnstolz“-Flotte im November 2019 eingestellt hatte, war die Zukunft der Lahnschifffahrt zunächst ungewiss. Das Fahrgastschiff Stadt Nassau war bereits Anfang der 2010er Jahre veräußert worden, das verbliebene Schiff „die „Stadt Bad Ems“ lag noch längere Zeit am Anleger, verließ Bad Ems aber schließlich im Jahr 2021. Was blieb war der leere Anleger mit dem markanten Fahrkartenhäuschen – und zwei Menschen vor Ort, die an die Zukunft der Lahnschifffahrt glaubten: Stadtbürgermeister Oliver Krügel und Hotelier Sascha Häcker. Letzterer befasste sich mit möglichen Konzepten zum Betrieb eines solchen Schiffes und sogar zum Erwerb eines solchen. Letztlich fehlte aber immer ein entscheidender Teil: entweder eine Schiff oder aber ein verlässlicher Betreiber. Was Häcker aber – mit privaten finanziellen Mitteln! – legte, war der Grundstock zum Erhalt der Lahnsschiffahrt. Er kaufte zur Bestandssicherung den Anlieger der sonst gemäß Auflagen aus dem Vertrag mit dem Staatsbad hätte „zurückgebaut“ werden müssen, also höchstwahrscheinlich auf immer verschwunden wäre und pachtete sogar die Anlegestelle sowie das leerstehende Fahrkarten- und Infohäuschen weil er an die Fortführung glaubte und die Nutzungsrechte bewahren wollte.
Parallel legte sich Stadtchef Oliver Krügel ins Zeug und führte seit 2020 zahlreiche Gespräche mit unterschiedlichen Unternehmern geführt und prüfte verschiedenste Modelle – von reinen Schiffseigentümern bis hin zu möglichen Betreibergesellschaften. Die Herausforderung bestand dabei immer wieder darin, die entscheidenden Bausteine zusammenzubringen: einen geeigneten Schiffseigentümer, einen verlässlichen Betreiber sowie qualifiziertes Fachpersonal mit entsprechendem Schifferpatent. „Diese drei Komponenten haben lange Zeit nicht zusammengefunden“, so Krügel im Rückblick. Im Herbst des vergangenen Jahres gelang dann der Durchbruch: Aus dem Kurzurlaub in Berlin mit Gattin Jessica kontaktierte er Christian Hochbein, nachdem Krügel im Netz gelesen hatte, dass dieser das Fahrgastschiff „Belle Vie“, vormals „Schloss Engers“ erworben hatte. Es entwickelte sich ein rund zweistündiges Telefonat, in dem die Möglichkeiten für eine Wiederbelebung der Lahnschifffahrt erörtert wurden. „Jetzt sieht man, dass sich diese ,Unterbrechung` des Urlaubs auf jeden Fall gelohnt hat“, schmunzelte Jessica Krügel bei Taufe und Jungfernfahrt der Aurelia am 30. Mai.
Doch zurück zum langwierigen Wiederbelebungsprozess. Krügel gelang es in der Folge die entscheidenden Akteure zusammen zu bringen – den Schiffseigentümer, den neuen Eigentümer des Anlegers, die Touristik Bad Ems-Nassau sowie die Staatsbad Bad Ems GmbH. In zahlreichen Gesprächen wurde gemeinsam ausgelotet, wie eine Rückkehr der Personenschifffahrt auf der Lahn erfolgen muss und gelingen kann. „Das letzte wichtige Puzzleteil war schließlich der Kontakt zu Albert Klatte, den Christian Hochbein hergestellt hat. Klatte brachte das Patent und die notwendige Manpower mit, gründete die Sunflower Flussfahrten GmbH und übernahm die Rolle des Betreibers. So ist aus einer ersten Idee Schritt für Schritt ein konkretes Projekt geworden, das nun ab 16. Juni wieder Leben auf die Lahn bringt“, freut sich Oliver Krügel.
Ende Mai zeigten Fachportale dann die langsame Annäherung der Aurelia nach der Generalüberholung in einer niederländischen Werft über den Rhein in Richtung Lahn. Trotz des Werftaufenthalts zeigte die Überprüfungsfahrt aber leichte Probleme mit dem Bugstrahlruder, was noch zu einem unplanmäßigen Halt im Lahnsteiner Hafen führte. Doch auch die aus Holland angereisten Monteure konnten das Problem nicht komplett beheben, sodass nach Taufe und Jungfernfahrt am Samstag, 30. Mai, nochmal am Anleger in Bad Ems „Hand angelegt“ werden musste. Wie geplant wurde die Aurelia dann am Anleger durch die Bartholomäusmarktkönigin Sarah Lahnstein mit der obligatorischen zerschmetterten Sektflasche getauft bevor es bei strahlendem Sonnenschein auf die Jungfernfahrt bis kurz vor Dausenau und wieder zurück ging.




„Aurelia“ fährt künftig täglich außer montags
Am Dienstag, den 16.Juni legt das Schiff zur ersten offiziellen Linienfahrt über Dausenau und Nassau bis nach Obernhof und zurück ab. Der künftige Fahrplan in Kürze:
jeden Dienstag: Große Flussfahrt nach Obernhof ab 10 Uhr
jeden Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag: Rundfahrt nach Dausenau 13 & 15.30 Uhr
jeden Sonntag Flussfahrt nach Nassau 10 Uhr +Abendrundfahrt ab 16.30 Uhr
Außerdem kann die Aurelia für Sonderfahrten wie Geburtstage, Firmenevents und Ähnliches gebucht werden. Einstieg & Tickets an der Schiffsanlegestelle unterhalb des Häcker’s Grand Hotels, Bad Ems. Änderungen & Sonderfahrten vorbehalten · Bei Hochwasser oder aufgrund der Witterung kann der Betrieb
entfallen. Aktuelle Informationen gibt es auf der Homepage der Aurelia.




















