Bad Ems | 11. August 2026 | Willi Willig. FWG und FDP aus der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau hatten für gestern Abend zur Podiumsdiskussion der drei Kandidaten für die Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde am 6. September eingeladen. Zur wirklichen Diskussion kam es dabei aber nicht, die Kandidaten hatten die Fragen zu sieben vorgegebenen Themenkomplexen aus Gründen der Fairness vorab erhalten. Der unterschiedliche Hintergrund und der jeweilige Grad der Erfahrung in Kommunalpolitik und Verwaltungsangelegenheiten der Kandidaten sollte dabei niemandem zum Nachteil gereichen.
Dieses Konzept ist aufgegangen, auch das des Zeitmanangments – vor allem Dank der souveränen und sympathischen Moderation des Abends durch FWG-Urgestein Harald Gemmer, den ehemaligen Bürgermeister der VG Katzenelnbogen, bzw. Aar-Einrich. Generell kann man einen solchen Abend auch so gestalten, eine echte Podiumsdiskussion ist das aber nach der Auffassung des Verfassers dieser Zeilen nicht. Mitunter kam schon der Eindruck auf, das eine stark recherchebasierte Beantwortung eher vorgetragen wurde. Trotzdem gelang es den Kandidaten nur selten innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens von zunächst zwei Minuten zu bleiben, auch wenn sich die Zeitüberschreitungen insgesamt in Grenzen hielten.
Für „etwas Pepp“ sollte offenbar die jeweils einminütige „Verlängerung“ in den insgesamt sieben Fragenkomplexen sorgen, allerdings nutzten die Kandidaten die Möglichkeit, auf die Redebeiträge der Mitbewerber einzugehen, nur sehr wenig. Auch in der Publikums-Fragerunde setzte sich das entweder sehr respektvolle oder eben sehr zurückhaltende Miteinander fort, nur selten war wirklich zu spüren, dass die Kandidaten gegensätzliche Ansätze vertreten und gegeneinander antreten.
Die sieben Fragenblöcke:
- Effizienzorientierung und Ressourcenmanagement in der Verwaltung
- Wirtschaftliches Denken und Handlungsfähigkeit der Gemeinden und Städte
- Grundschulen, Kitas und Realschule Plus
- Wirtschaft- und Wirtschaftsförderung
- Feuerwehr und Katastrophenschutz
- Wirtschaftlichkeit der VG-Werke
- Abschluss der Fusion
enthielten dann gegenüber den bekannten Programmen der Bewerber auch nur wenig Überraschungen. Krügel präsentierte sich glaubhaft als Stadtbürgermeister mit breiter Praxis-Erfahrung und Herz für die Region, Minor betonte einmal mehr seine (selbst attestierte) Verwaltungskompetenz und (angebliche) Überparteilichkeit. Schmidt hingegen vermied konkrete Aussagen, reihte eher Phrasen und Platzhalter aneinander und lieferte kaum Konkretes. Während Krügel und Minor in großen Teilen des Abends nahezu auf Augenhöhe agierten, gelang es dem AFD-Kandidaten in keinem Teil der Veranstaltung zu überzeugen. Aus Sicht des Verfassers entschied Oliver Krügel das Kandiaten-Duell für sich – folgende Ausschnitte aus dem Abend unterstreichen diese Einschätzung.
Die sieben Fragekomplexe lieferten nur wenig Kontroversen. Bei der Frage der Trägerschaft der Realschule Plus zum Beispiel votierte Krügel eindeutig und nachvollziehbar für eine nach Ansicht des Verfassers längst überfällige Übertragung der Trägerschaft an den Kreis. Warum die Verbandsgemeinde weiterhin für alle Schulen im Kreis mitzahlen soll UND die eigene parallel unterhalten muss, erschließt sich schon lange nicht mehr, erklärt sich aber aus den politischen Mehrheiten der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, die dann ja auch noch zeitweise personell mit der Schule verknüpft waren. Minor vertrat dazu eine gegensätzliche Meinung, Schmidt plauderte eine gute Minute „drumherum“.
Applaus aus den Reihen seiner Unterstützer gab es für Minors Vorschlag zur Schaffung eines kommunalen MVZs – das habe auch in einer Nachbar-VG mit vertretbarem Minus funktioniert. Schmidt nannte diesen Vorschlag später „Bauernfängerei“, Krügel lehnte die MVZ-Pläne ab und erklärte darauf setzen zu wollen, die VG für junge Ärzte insgesamt attraktiv zu machen und den Zuzug zu forcieren. Mindestens unausgegoren erschien Minors MVZ-Vorschlag vor allem dadurch, dass er „das leerstehende Georg-Vömel-Haus“ als Standort dafür ins Spiel brachte. Dass das Objekt aufgrund seines Alters und Zustands dafür auf keinen Fall mehr in Frage kommen kann, blieb leider auf Grund der fairen Rahmenbedingungen des Abends unkommentiert.
Der konkreteste Einzelvorschlag des Abends kam ebenfalls von Oliver Krügel. Der bisherige Leiter der IT-Abteilung geht demnächst in den Ruhestand, eine Nachbesetzung ist nach der derzeitigen Planung nicht vorgesehen. Seine Aufgaben sollten stattdessen auf mehrere Mitarbeiter verteilt werden. Angesichts wachsender Anforderungen durch KI, Digitalisierung, IT-Sicherheit und immer mehr Cyberangriffe nannte Krügel dies eine „Fehlentscheidung“. Seiner Ansicht nach sollte gerade diese Stelle nachbesetzt werden.
In diesem Zusammenhang sprach Krügel auch einmal mehr die Rolle des Verbandsgemeinderates an, ohne dessen Zustimmung ein Bürgermeister kaum agieren kann. Diesen wichtigen Zusammenhang in der Bedeutung der Möglichkeiten des Verwaltungschefs stellte gestern Abend auch nur Krügel so deutlich klar. Ein gänzlich anderes Verständnis dazu konnte man dazu gestern den Äußerungen Schmidts entnehmen. Thematisch verwandt äußerte Minor im Zusammenhang mit den Personalkosten der Verwaltung die kommunalpolitische Binsenweisheit „die Verwaltung ist ja auch die Schreibstube der Gemeinden“. Ja, das sollte sie sein, ist sie aber lange nicht mehr. Die Gemeinden werden in der Praxis leider sehr oft in die Rolle des Bittstellers gedrängt. Ändern müsste das der neue Chef. Ob dazu ein ehemaliger Mitarbeiter der Kreisverwaltung (die ja im Prinzip auch Dienst am Bürger leisten sollte) und jetziger Verwaltungslehrer, besser geeignet sein kann als ein kompletter Quereinsteiger oder der Kandidat mit der in diesem Punkt oft leidvollen Erfahrung aus Sicht der Stadt, müssen die Wähler am 6. September für sich selbst entscheiden.
Eine Entscheidungshilfe könnte dabei das Video von der Podiumsdiskussion sein, dass die Veranstalter zur Verfügung stellen. Damit können sie alle Ausagen im Original verfolgen und selbst einordnen – falls sie nicht gestern Abend vor Ort waren, oder nochmal ganz genau hinhören möchten. Leider gibt es den Youtube-Link dazu aktuell noch nicht, er wird aber an dieser Stelle eingefügt, sobald er vorliegt und auch über die anderen üblichen Kanäle ausgespielt.
Bei der hier wiedergegebenen Einschätzung handelt sich um die Einschätzung von 56aktuell. Andere Beobachter legen den Schwerpunkt eventuell auf andere Punkte oder kommen zu einer abweichenden Einschätzung. 56Aktuell empfiehlt auf jeden Fall einen Blick in andere Medien.
Kommentar: Für die meisten war vorher schon alles klar
Eine Veranstaltung wie diese mit einem Fazit zu bewerten und damit einen der Kandidaten zum Sieger zu erklären ist faktisch unmöglich. Nach meiner ganz persönlichen Ansicht hatte in der Gesambewertung des Abends Oliver Krügel die Nase vorne. Er kam für mich ganz persönlich am authentischsten rüber, überzeugte durch breites kommunalpolitisches Basiswissen und Herzblut für die Aufgabe, für die er sich bewirbt. Aber hat er auch nur einen Besucher aus dem AFD-Lager dazu gebracht am 6. September ihn zu wählen? Oder einen SPD`ler (die ja offiziell trotz Nominierungsveranstaltung gar keinen eigenen Kandidaten im Rennen haben) davon überzeugt nun das Kreuz nicht beim „Parteilosen“ zu machen? Mit Sicherheit nicht. Mit Sicherheit auch niemanden der Grünen und Linken, die ja ebenfalls schon „per Dekret“ verkündet haben, wer zu unterstützen ist.
Schon am Applaus war zu hören in welcher Ecke der Brunnenhalle die Unterstützer von welchem Kandidaten platziert waren. Wenn von den – nach Veranstalterangaben – 270 Zuhörern auch nur 20 vorher noch nicht wussten, wem aus dem Kandidaten-Trio sie ihre Stimme geben werden, dann wäre das schon viel. Den überwiegenden Anteil der Besucher wird kein Argument des Abends und kein Artikel dieser Welt von der schon vor Wochen getroffenen Entscheidung abbringen können. Letztlich waren auf der eigentlich sehr gut besuchten Veranstaltung auch nur knapp 1,3 Prozent der knapp über 20.000 Wahlberechtigten in der Verbandsgemeinde. Für viele Menschen ist die Verbandsgemeinde eben auch immer noch ein sehr abstraktes Konstrukt. Ihr Leben findet im Ort statt. Dass die Verwaltung aber genau für die Arbeit in den jeweiligen Gemeinde- und Stadträten existenziell wichtig ist und damit das Leben in den 26 Orten und zwei Städten deutlich beeinflusst, macht die Wahl des Chefs so wichtig. Die Menschen in dem künstlichen Konstrukt Verbandsgemeinde müssen in Zukunft deutlich mehr mitgenommen und informiert werden um zu verstehen, wie die kommunale Verwaltung funktioniert. Und gerade diesen wichtigen Punkt hat gestern Abend nur einer mit einer glaubhaften Strategie angebracht – Oliver Krügel.
Doch ganz egal, wie SIE sich entscheiden – wichtig ist, dass sie am 6. September wählen gehen!




