Bad Ems | 5. Juli 2026 | (ww). Nicht nur in Bad Ems wird gerne „geschwätzt“. Und gerade in Wahlkampfzeiten wird gerne einmal das eine oder andere Gerücht gestreut. Immer wieder war in jüngster Zeit zu hören, dass die großen Pläne für den Umbau der Wipsch inklusive des REWE-Neubaus, geplatzt seien – der Investor sei abgesprungen. Das wollten, gewöhnlich dann doch nicht so gut informierte, meist ehemals kommunalpolitisch Tätige, aus „erster Hand“ erfahren haben. „Alles Quatsch“ (vereinfacht zusammen gefasst, die Red.) erklärt Investor Rüdiger von Stengel gemeinsam mit Stadtbürgermeister Oliver Krügel im Gespräch mit 56aktuell.
„Die Pläne sind konkreter denn je, allerdings entwickelt sich ein Projekt in dieser Größenordnung, vor allem wenn, wie hier, nicht auf der grünen Wiese sondern im Bestand gebaut wird“, plaudert von Stengel aus dem Nähkästchen. Umfangreiche Bestandsuntersuchungen mit 90 Bohrungen mussten gemacht werden um die Tragfähigkeit von Wänden und Böden zu sicher zu beurteilen. Nach Angaben des Investors hat auch Hauptmieter REWE nochmal die geforderten Traglasten des Bodens im neuen Markt, also der Decke im „alten Rewe“, angepasst und erhöht. Und: zur Römerstraße und dem Oranienweg haben Untersuchungen ergeben, dass das neue Eckgebäude in diesem Bereich aus diversen Gründen nicht wie geplant unterkellert werden kann. „Das alles erfordert Anpassungen der Statik und bautechnischer Details der Fachplanung um den Bauantrag stellen zu können“, fasst von Stengel zusammen. Dieser wichtige Schritt soll nun im vierten Quartal dieses Jahres erfolgen – eine eher unwesentliche Verschiebung zur bisherigen Planungen. Mitte 2027 sollen die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Wenn alles klappt könnte der REWE bereits Ende 2028 umgezogen sein und das gesamte Projekt „in 2029“ abgeschlossen werden.
Allerdings macht von Stengel im Hintergrund lange „Nägel mit Köpfen“: er hat das komplette Gebäude in dem heute der Getränkemarkt untergebracht ist bis über die Tiefgarageneinfahrt mittlerweile dazu gekauft. Für den Bereich des neu zu bauenden Eckhauses mit dem neuen Zugang zum Rewe-Markt laufen noch Teilverhandlungen mit dem Bad Emser Besitzer, der wesentliche Teil der Gebäude über und um die jetzige Passage befanden sich bereits in seinem Besitz.
Gegenüber der zuletzt vorgestellten Planung hat sich das Eckgebäude aus den o.a. Gründen verändert, auch die neue Eingangspassage ist in der jetzigen Planung mehr in die Römerstraße hinein verschoben worden. „Ein Café ist dort im Eingangsbereich jetzt eingeplant“, so Rüdiger von Stengel. Aber auch im Untergeschoss wurde die Planung angepasst: der geplante Baumarkt sei nach einer Absage des Franchisenehmers „abgesprungen“ – gleich zwei neue Mieter stehen aber jetzt „so gut wie fest“. Mit cleverfit soll eine Fitnessstudio-Kette in den (von der Tiefgarage aus gesehen) rechten Teil des heutigen REWE-Marktes einziehen, der linke Teil würde dann dem breiten Angebot des bekannten Non-Food-Discounters ACTION gehören. Für dessen sehr spezielle Lkw wird sogar die gesamte Anlieferungssituation nochmals angepasst – das macht auch REWE und KIK die Anlieferung künftig deutlich einfacher.
Die wichtigste Aufgabe an die Planer: der Gesamtumbau muss im laufenden Betrieb des REWE-Marktes erfolgen. „Das wird besonders bei der nötigen Verstärkung der Decke des alten Marktes herausfordernd“, merkt von Stengel an. Gleiches gelte für Verstärkungen in der Tiefgarage für den REWE-Anbau auf dem Marktplatz obendrüber. „Da fallen einige Parkplätze weg, dafür entstehen aber auf dem Marktplatz zusätzliche Parkplätze – insgesamt wird es also mehr geben als vorher. Dass, auch in der nun angepassten Planung, mit dem Anbau an den REWE-Markt und der Begrünung der Fläche eine Nutzung des Marktplatzes für den Bartholomäusmarkt zumindest nicht mehr in der bislang gewohnten Form (Stellfläche für einen Autoscooter und ein weiteres Fahrgeschäft) möglich sein wird, ist dem ausrichtenden Verein seit langem bekannt. „Da musste man auch, wie zum Beispiel schon beim Neubau des Thermen-Hotels, einfach erkennen, dass eine lebendige Stadt sich verändert. Für solch ein, für die gesamte Entwicklung der Stadt wichtiges Projekt, kann eine viertägige Nutzung kein K.O.-Kriterium sein, da war sich der Stadtrat einig – in dem ja auch Vorstandsmitglieder des ausrichtenden Vereins aktiv sind. Bad Ems braucht die Investition aber auch für die anderen 361 Tage im Jahr“, klärt Stadtbürgermeister Oliver Krügel, nicht zum ersten Mal, auf.
Neu ist auch, dass mit dem Umzug ein Durchgang von der Viktoriaallee entsteht, auch wenn dieser nicht Teil des von-Stengel-Projektes ist. Auf der anderen Seite des Marktplatzes soll (endlich) an der Stelle der Villa Sittel ein Neubau entstehen. An dieser Stelle soll dann auch, wie eigentlich seit Beginn des Marktplatz-Projekts, also in den achtziger Jahren, von der Stadt gewünscht, eine Verbindung zur Viktoriaallee auf Höhe des Eingangs der Therme entstehen. Die bislang geplante Kita über dem neuen REWE-Markt ist mittlerweile vom Tisch. „Der Bedarf an Kitas hat sich verändert, daher entfällt die Kindertagesstätte hier“, erkläre von Stengel und Krügel gemeinsam.
Die größte der bisher geplanten Flächen wird mit über 3000 Quadratmetern der neue REWE-Markt einnehmen, Cleverfit nimmt etwa 1200 Quadratmeter, der Action-Markt gute 800 und KIK an neuer Stelle etwa 700 Quadratmeter. Das Kostenvolumen ist schon beachtlich: bislang hat von Stengel nach eigenen Angaben rund 13 Millionen Euro in das Projekt gesteckt, weitere 15 Millionen werden noch hinzukommen.
Fotos: Visualisierungen: Graf+Graf Architekten, Montabaur / FVS Vermögenverwaltung | Besprechungsbild: Kerstin Fuchs /Stadt Bad Ems




