Home Mittelrhein Wie geht es mit dem Krangelände in St. Goarshausen weiter? 

Wie geht es mit dem Krangelände in St. Goarshausen weiter? 

Verwaltungsmühlen scheinen zu kapitulieren

St. Goarshausen | 25. Januar 2023 | (ms). Viel geschehen und trotzdem wenig passiert? Das könnte man im Fall der Zukunftsentwicklung des Krangeländes in St. Goarshausen zumindest meinen. Bereits drei Vor-Ort-Termine hatte Verbandsgemeinde-Bürgermeister Mike Weiland einberufen, um alle Interessensparteien zusammentreten zu lassen, dabei rumgekommen ist am Ende wenig. Aber worum geht es eigentlich? 

Der unter Denkmalschutz stehende Häusener Kran am Rheinufer in St.Goarshausen bewegt seit einiger Zeit die Gemüter. Zu groß ist das Potenzial des Standortes mit Blick auf die Bundesgartenschau im Mittelrheintal. Derzeit liegt das Gelände jedoch im Grunde genommen brach. Das Problem ist: Die vielen verschiedenen Interessensparteien, Ämter und Eigentümer des Grundstücks und des Krans. Laut Bürgermeister Weiland haben diese schlichtweg viele unterschiedliche Vorstellungen und Ideen, wie man das Gelände nutzen könne. Auch seien die “Befindlichkeiten” der einzelnen Parteien nach wie vor zu präsent und keine würde so richtig davon abrücken.  

Man möchte also das Gelände rund um den Häusener Kran entwickeln und damit das Erscheinungsbild von St. Goarshausen ein gutes Stück aufbessern. Eine Lösung ist aber auch nach dem bereits dritten Vor-Ort-Termin noch in weiter Ferne, sollten die einzelnen Interessensvertreter nicht einen Schritt aufeinander zu gehen. Eingeladen waren diesmal die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), das Unternehmen Rhenus Logistics, die Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz (GDKE), die für die Denkmalpflege ebenfalls zuständige Kreisverwaltung Rhein-Lahn, die Initiative Baukultur der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord), die Bundesgartenschau 2029 GmbH (BUGA GmbH) sowie die Stadt St. Goarshausen. Doch auf einen Vertreter von Rhenus Logistics habe man vergebens gewartet, wodurch direkt Sand im Getriebe gewesen wäre, so Weiland. Genügend Ideen zur Entwicklung des Geländes sind bereits vorhanden. Lediglich die Bereitschaft der Behörden sich mit Lösungen der derzeitigen Gemengelage zu Beschäftigen fehle in diesem Fall komplett. Auch eine Spitze in Richtung der UNESCO und ihres Berichtes zum Mittelrheintal konnte sich der VG-Bürgermeister nicht verkneifen. Sollte nach dem Willen der UNESCO im Grunde alles so bleiben wie es ist, dann könne es aber auch keine Fortentwicklung geben und der erste Verlierer wäre am Ende die Loreleystadt sowie das gesamte Tal und der Tourismus. Ergebnis der dritten Vor-Ort-Runde war eine Zusage der WSV, dass man die neuen Erkenntnisse zum Denkmalschutz prüfen wolle. Außerdem bereits sicher: Eine erneute Zusammenkunft aller Vertreter bleibt nicht aus und soll wenn möglich bereits in drei Monaten stattfinden.

Im Nachgang ist für alle Interessierten noch einmal die genaue Gemengelage aus der Pressemitteilung des VG-Bürgermeisters im Wortlaut zitiert:  

Warum es generell für die Zukunftsentwicklung des Geländes wichtig gewesen wäre, dass alle Akteure auch der Einladung tatsächlich gefolgt wären und weshalb die Gemengelage so schwierig ist, dass einer einmal den ersten Schritt gehen müsste, zeigt die Ausgangslage: Das Grundstück des gesamten Areals gehört der WSV, die seinerzeit einen Vertrag mit Rhenus Logistics mit dem Inhalt geschlossen hat, dass das Unternehmen nach Schließung des Güterumschlagplatzes die dortigen Aufbauten zurückbauen muss. Das ist bis heute nicht erfolgt. Zwischenzeitlich hat die GDKE jedoch erklärt, dass aus Gesichtspunkten des Denkmalschutzes das Areal in Gänze so als Industriedenkmal erhalten bleiben muss und ansehnlich hergerichtet werden sollte, zeigt sich aber offen für mögliche Folgenutzungen, die den Belangen des Denkmalschutzes Rechnung tragen. Gleiche Auffassung vertritt die Kreisverwaltung als untere Denkmalschutzbehörde. Der vor geraumer Zeit sanierte und ins BUGA-Design verwandelte Kran mitsamt den Baggerschaufeln befindet sich aktuell noch im Eigentum der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Sobald jedoch alle Fragestellungen gelöst sind, geht das Eigentum auf die BUGA GmbH über. Die Stadt St. Goarshausen ist Vermieter der auf dem Gelände befindlichen Garagen und ihr wäre eine Aufwertung des Stadtbildes an dieser Stelle wichtig, jedoch ist die Stadt aus mehreren Gründen derzeit nicht in der Lage, die Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Einerseits darf die Stadt nur Geld in Flächen investieren, die sich in ihrem Eigentum befinden oder über die sie mindestens 25 Jahre Verfügungsgewalt besitzt. Denn die Stadt würde zur Entwicklung – sollte sie finanziell überhaupt eine Genehmigung von der Kommunalaufsicht dafür erhalten – Zuwendungen von Land oder Bund benötigen, an die in der Regel eine 25-jährige Mittelbindungsfrist geknüpft ist. Die WSV ist derzeit jedoch wegen des Nichtvollzugs des Rückbaus durch Rhenus als Geländeeigentümer einerseits und selbst gesteckter Ziele andererseits, nämlich dass man zur Durchführung der anstehenden Rheinvertiefung die Hand auf jegliche Flächen hält, um eventuell Retentionsraum schaffen zu können, ebenfalls nicht in der Lage zu handeln oder gar das Gelände zu veräußern. Beim Termin waren von der großen Bundesbehörde nun zwei andere Vertreter als noch beim jüngst zurückliegenden Termin im November anwesend, die bis jetzt angeblich vom Denkmalschutz nichts gewusst haben wollen, obwohl Bürgermeister Mike Weiland deren Kollegen im November schon einen Vermerk der GDKE vorgetragen und damit die WSV über die Denkmalschutzauflagen informiert hatte. Die SGD Nord – Initiative Baukultur – verweist auf Ergebnisse eines Workshops aller Beteiligten unter Einbindung von Bürgern aus dem Jahr 2018 und würde diese gerne nicht nur auf dem Krangelände alleine, sondern gleich bis zum Parkplatz am Fuße der Loreley umsetzen. Da aber weder die WSV noch die Stadt Geld einbringen wollen oder können, stellt Bürgermeister Mike Weiland hier die Grundsatzfrage ganz an den Beginn, wie sich so etwas unter diesen Voraussetzungen überhaupt umsetzen lassen soll. Zudem ist die angedachte Führung des entlang der Bundesstraße 42 noch zu bauenden Radweges noch mit dem Landesbetrieb Mobilität zu klären.

Quelle: PM VG Loreley 

Foto: Armin Schaust und Mike Weiland