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Winter hat die Region im Griff – Unfälle, Sperrungen und ein Todesopfer

Hunderte von Einsätzen - Bilder gibt es aufgrund der Gefahrenlage stellvertretend nur von einem Einsatz - wir haben uns entschieden unnötige Fahrten zu vermeiden

Region | 27. November 2023 | (ww). Und plötzlich ist es Winter. Den gestrigen Tag aber einfach mit den Worten zu kommentieren „Stellt euch nicht so an, im Winter schneit es nun mal“ und Staus und Unfälle uneinsichtigen Sommerreifen-Fahrern zuzuschreiben – wie in den sozialen Medien oftmals geschehen – wird dem Chaos aber nicht gerecht.

Eine 54-Jährige stirbt bei dem Unfall auf der B49 zwischen Neuhäusel und Koblenz-Horchheim

Nehmen wir die B261 mit der Denzerheide und dem leider tödlichen Unfall auf der B49. Auf der B261 zwischen Bad Ems und dem Golfplatz, bzw. der Anbindung an die B49 geht stellenweise gar nichts mehr, sogar ein Streuwagen steht irgendwann quer. Auf der B49 selbst rund um die Unfallstelle ist lange Geduld gefragt. Die Sperrung dauert gute fünf Stunden – klar, dass dann auf der zur Zeit viel befahrenen Umleitungsstrecke (bedingt durch die Baustelle und Sperrung auf der B260 zwischen Lahnstein und Friedrichssegen) und rundherum schnell gar nichts mehr geht. Das hätte aber auch schon ohne winterliche Straßensperrung zu chaotischen Verhältnissen geführt, mit den glatten Straßen dazu wird die Situation zur Zerreißprobe für die Nerven von Pendlern und Berufskraftfahrern.

Doch auch ohne schwere Unfälle oder baustellenbedingte Umleitungen bricht der Verkehr in der Region zusammen. Ein Blick ins benachbarte Hessen: Auf der Bäderstraße bei Heidenrod, auf der Hohen Wurzel und der Platte, also rund um Wiesbaden sind alle Routen gesperrt. Besonders angespannt ist die Situation im Rheingau-Taunus-Kreis. „Die Lage ist außergewöhnlich. Bäume knicken um wie Streichhölzer“, so die Feuerwehr. Viele Straßen waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt, zwischen Kiedrich und Hausen etwa waren gegen Abend noch rund 30 Fahrzeuge vom Schnee eingeschlossen, rund 100 Personen, die bei Eltville ihre Fahrzeugen stehen lassen mussten, wurden in einer Halle untergebracht und von den Rettungskräften versorgt.  In einer Schule in Bad Schwalbach saßen noch am Abend rund 30 Schüler fest. Busse fuhren schon lange nicht mehr, die Eltern konnten aber auch nicht zur Abholung zur Schule gelangen. Die Polizei Wetshessen meldete am späteren Abend, dass noch 60 bis 80 Autofahrer auf der B260 bei Schlangenbad in ihren Autos festsitzen würden.

Schulbusse sind auch im angrenzenden Rhein-Lahn-Kreis und in den anderen Höhen-Landkreisen ab der mittäglichen Heimfahrt Mangelware – nur mit Glück kommt noch der eine oder andere durch. Zeitgleich überschlagen sich die Meldungen aus dem Westerwald, der Vordereifel und dem Hunsrück: gesperrte Straßen, umgestürzte Bäume, Autos die in Gräben gerutscht sind und LKW die an Steigungen quer stehen. Immermehr Feuerwehreinheiten werden in die Gerätehäuser gerufen, in der Verbandsgemeinde Diez sind nahezu alle Einheiten mit reihenweise umgestürzten Bäumen beschäftigt, später kommen punktuelle Stromausfälle hinzu – dann bleiben die Gerätehäuser sowieso besetzt.

In der WhatsApp-Gruppe von 56aktuell überschlagen sich die Meldungen – erreichbar sind die meisten Einsatzstellen für uns aber auch schon lange nicht mehr, wir entscheiden uns aber auch auf unnötige Fahrten, bzw. Gefahren zu verzichten. Auf der Lahntal-Bahnstrecke liegt zwischen Nassau und Obernhof ein Baum quer – die Bahnstrecke wird gesperrt, rund 40 Reisende aus der Regionalbahn stranden in Nassau. Der angekündigte Ersatzbus kommt ganz einfach nicht, Angehörige und Abholer erreichen den Nassauer Bahnhof aber wegen einer weiteren Baustelle mit Umleitung über die Höhen und den gleichen Problemen wie in der ganzen Region ebenfalls nicht oder nur mit stundenlanger Verspätung. Gleiche Szenen spielen sich an allen anderen Bahnhöfen wie etwa Laurenburg ab, wo die Feuerwehr die Gestrandeten versorgt.

Hiobsbotschaften für den Schülerverkehr am Dienstag und Mittwoch werden in Elterngruppen geteilt. Ein Busunternehmen meldet voreilig: bis Mittwoch würden keine Schulbusse mehr fahren. Die 56aktuell Nachfrage ergibt – das gibt der Beförderungsvertrag gar nicht her. Vor Beförderungsbeginn am frühen Moirgen, also etwa gegen 4 Uhr bis 4.30 Uhr muss am Dienstagmorgen gecheckt werden, ob die Straßenverhältnisse eine Schülerbeförderung zulassen. Die Wettervorhersage macht aber für Morgen wenig optimistisch. Pendler, Eltern und Schüler können sich (sobald verfügbar) beim Verkehrsverbund Rhein-Mosel informieren ob ihre Verbindung aktuell verkehrt – wir geben unser möglichstes dazu morgen auch so früh wie möglich Informationen zu bekommen.

Einen Einsatz haben wir dann doch noch stellvertretend für euch verfolgt: in der Braubacher Straße hatte die Schneelast einen Baum abknicken lassen, der nun in ein Haus und auf die Straße zu stürzen drohte. Nach der Sperrung der wichtigen Verbindung konnte der abgeknickte Baum von der Drehleiter aus in luftiger Höhe Stück für Stück gekürzt und die Gefahr so gebannt werden. Die Bilder von diesem Einsatz stehen damit stellvertretend für hunderte von Einsätzen von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Rettungskräften an einem sehr chaotischen winterlichen Tag.