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    Koblenz/ Mayen/Nastätten/Boppard | 16. Juli 2024 | (ww). Seit Monaten dreht sich in der Gesundheitspolitik der Region immer weder alles um die Frage: (wie) geht es weiter mit dem Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein (GKM) und den Krankenhäusern Kemperhof und evangelischer Stift St.Martin in Koblenz, dem St.Elisabeth in Mayen, dem Paulinenstift in Nastätten und dem Heilig Geist in Boppard? Die Gesellschafterversammlung hat am Montagabend die Weichen gestellt und einen Weg mit teilweise schmerzhaften Veränderungen für die kommenden Jahre festgelegt. Der wurde heute bei einer Pressekonferenez in Koblenz vorgestellt.

    Die wichtigsten Fakten aus der Konferenz

    Die Gesellschafterstruktur steht jetzt. Das GKM ist de facto kommualisiert. Der Landkreis Mayen-Koblenz und die Stadt Koblenz halten jetzt weit über 90 Prozent der Anteile, greifen dafür aber auch noch mal tief in die traditionell knappen Kassen und legen gemeinsam weitere 10 Millionen Euro direktes Kapital sowie eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro für die Zukunftssicherung der rund 4000 Mitarbeiter und einen großen Teil der Gesundheitsversorgung in der Region auf den Tisch. „Die 50-Millionen-Euro-Bürgschaft ist vor allem ein Signal an Banken und Geldgeber“, erklärt der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner. Zwei der bisherigen Stiftungsgesellschafter steigen ganz aus, zwei spielen noch eine eher untergeordnete Rolle.

    Ein-Standort-Lösung für Koblenz

    Kernstück des Sanierungsplans – die ein Standort-Lösung. Nur einmal wird der ehrgeizige Zeitplan im Verlauf der PK genannt; 2028 sollen Stift und Kemperhof am Standort Kemperhof zusammengeführt sein. Dafür muss kräftig neugebaut werden – allein dieser Bauabschnitt soll rund 100 Millionen Euro kosten – ein Großteil davon soll vom Land kommen. Gesamtkosten bislang absolut offen – der „Zeitplan“ ist mehr als ambitioniert. Das nur einmal genannte Datum 2028 beinhaltet übrigens Umzug und Auflösung des evang. Stifts St. Martin.

    St. Elisabeth-Krankenhaus Mayen

    Auch in Mayen muss dringend gebaut werden. „Hier geht es in erster Linie darum, eine neue, bedarfsgerechte und wirtschaftlich sinnvolle Zielplanung aufzulegen. Das heißt konkret, dass nicht alle Fachabteilungen in gleicher Art und Weise bestehen bleiben können. Sicher sind die Geburtshilfe und die Kinder- und Jugendmedizin. Die Orthopädie soll sogar erweitert werden“, berichtet der neue, zweite Geschäftsführer Florian Distler.

    Heilig Geist-Krankenhaus Boppard

    Die Tage des Bopparder Krankenhaus sind gezählt. Zumindest die bis zur von den GKM-Gesellschaftern geforderten verbindlichen Bereitschaft zur Übernahme des Defizits für 2024 und 25 – immerhin jeweils rund 1,35 Millionen Euro. „Dem Rhein-Hunsrück-Kreis ist es bis heute leider nicht gelungen, eine ausreichende Verlustübernahme für die Jahre 2024 und 2025 für das Krankenhaus in Boppard zu beschließen, obwohl dies eine zwingende Voraussetzung für den Fortbestand des
    Krankenhausstandortes ist. Hier muss bis zum 12. August eine verbindliche Erklärung vorliegen, das Geld muss bis zum 15. August fließen“, erläutern Langner, Landrat Dr. Alexander Saftig und die beiden GKM-Geschäftsführer. „Bis dahin sind wir gesprächsbereit. Sollte es zur Schließung kommen müssen, ist es erklärtes Ziel, den überwiegenden Anteil des Leistungsspektrums in eines der anderen Krankenhäuser zu integrieren. Und damit dem Großteil der Mitarbeitenden eine neue Perspektive im GK-Mittelrhein zu ermöglichen“, betont David Langner. Ein Teil der Mitarbeiter wäre jedenfalls in Koblenz sehr willkommen – Fachkräfte fehlen in vielen Teilbereichen, „Leiharbeiter“-Ersatz sei teuer und entspreche nicht dem eigenen Qualitätsanspruch erklärte Geschaftsführer Christian Straub an anderer Stelle der Präsentation.

    Der gesamte Ton der Pressekonferenz lässt allerdings für den Standort Boppard nur wenig Hoffnung offen. „Über Nacht“ wolle man Boppard aber keinesfalls schließen, sondern im Fall der Fälle „geordnet abwickeln“, voraussichtlich über mehrere Monate hinweg.

    Das Paulinenstift in Nastätten

    Aus GKM Gesellschaftersicht wackelte auch der Standort Nastätten gewaltig. Der Vorteil für den Rhein-Lahn-Kreis, der nach zahlreichen Schließungen nur noch über das Krankenhaus in Nastätten und eines am anderen Ender des Kreises in Diez verfügt: das Haus in Nastätten ist als bedarfsnotwendig klassifiziert. Gäbe es keine gemeinsame Zukunft im GKM-Verbund müsste das Krankenhaus auf jeden Fall auf andere Art erhalten bleiben – in welcher Trägerschaft und mit wessen Geld finanziert, ist derzeit absolut unklar. Eventuell braucht es das aber nicht – der Tonfall der Gesellschafter in Richtung der Kreisverwaltung in Bad Ems klingt mittlerweile versöhnlicher. „Wir sind fast vor dem Ziel. Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg, dass es aus dem Rhein-Lahn-Kreis eine verbindliche Vereinbarung über einen Verlustausgleich für 2024 und 25 geben kann“, betont Langner. Auf Nachfrage wird das Defizit für Nastätten mit rund 2,95 Millionen Euro pro Jahr angegeben. Landrat Jörg Denningshoff wollte das alles am 56aktuell-Telefon „weder bestätigen, noch dementieren“. Man warte auf belastbare Zahlen und Fakten aus Koblenz, bislang gebe es da noch nichts Verbindliches. „Wir wissen nur was in der Gesellschafterversammlung beschlossen werden sollte, nicht was wirklich beschlossen wurde“, so Denninghoff. Der Landrat des Rhein-Lahn-Kreises betont aber einmal mehr: „Egal in welcher Konstellation – der Krankenhaus-Standort Nastätten bleibt erhalten!“.

    Dass es Kommunikationsbedarf zwischen GKM-Gesellschaftern und Rhein-Lahn-Kreis gibt, macht auch Langners letzte Äußerung zu diesem Punkt nochmal klar: „Man sieht im Rhein-Lahn-Kreis ganz deutlich was passiert, wenn man sich bei der gesundheitlichen Versorgung darauf verlässt, das Andere das schon machen.“

    Weitere Maßnahmen

    Konkrete Zukunftsperspektiven werden in den kommenden Monaten noch für die stationären und ambulanten Angebote der Seniocura und die Praxen des MVZ Mittelrhein erarbeitet. Bei den drei Senioreneinrichtungen und dem ambulanten Pflegedienst gibt es noch keine Entscheidung, ob die Leistung weiterhin unter dem Dach der Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein gGmbH erfolgen soll oder sie in ein anderes erfolgreich etabliertes Unternehmen integriert wird. Das Angebot in den Praxen des MVZ Mittelrhein muss – auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten – angepasst werden. Bis Ende 2024 wird hierzu ein Konzept von der Geschäftsführung entwickelt.

    Neben den großen strukturellen Maßnahmen sollen bis Ende 2028 auch rund 8,8 Millionen Euro im Tagesgeschäft eingespart werden. Hierzu zählen beispielsweise die Reduzierung von Personalkosten im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung, Einsparungen bei den Sachkosten, die Vermeidung von Doppelstrukturen und die Optimierung von Wahlleistungsangeboten.

    „Das alles haben wir beschlossen, weil wir die Zukunft des Gemeinschaftsklinikums sichern wollen“, betont Landrat Dr. Alexander Saftig und gibt zu: „In der Vergangenheit hat das nicht immer so ganz geklappt“. Der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner ist sich sicher: „Die hohen Investitionen aber auch alle Einschränkungen haben wir beschlossen und durch die Gremien begleitet, weil wir an die Zukunft des GKM glauben und sie so für gesichert halten.“

    Foto: GKM

     

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