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nachlöscharbeiten

    Bad Ems | 8. Juli 2024 | (ww). Auch fünf Tage nach dem verheerenden Feuer im historischen Vier-Türme-Haus (ehemals Karlsburg) in Bad Ems gibt es im zusammengestürzten Dachstuhl immernoch Glutnester und wiederaufflammende Feuerstellen. Heute Früh, kurz nach 6.30 Uhr, wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Ems wieder zur Einsatzstelle des Großbrands vom vergangenen Mittwoch alarmiert. Rauch stieg aus dem zusammengestürzten Dachstuhl auf.

    Mit dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20, der Drehleiter DLAK 23/12 und dem Tanklöschfahrzeug TLF 3000 machten sich die Ehrenamtler damit bereits zum dritten Mal zu Nachlöscharbeiten an dem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert auf den Weg. Mittlerweile ist schon in einem Treppenhaus eine Schlauchleitung dauerhaft verlegt, da im Inneren der tonnenschweren Brandlast des zusammengestürzten Dachstuhls, immernoch kleine Glutnester vermutet wurden. Diese trocknen erst den überwiegend aus Holz bestehenden Brandschutt im Umfeld aus um sich dann, wenn Luftzug dazu kommt erneut zu entzünden. So wie heute Morgen: an gleich zwei Stellen mitten im ehemaligen Dachstuhl musste die Feuerwehr solche wiederaufflammenden Stellen zunächst lokalisieren und dann ablöschen.

     

     

    Das Haus Vier-Türme – ein historischer Überblick

    Der kaiserliche Feldmarschall Hans Karl Freiherr von Thüngen ließ den schlossartigen Bau 1696/97 errichten, um über eine repräsentative Unterkunft in der seit dem 17. Jahrhundert im europäischen Hochadel zunehmend beliebten Badestadt Ems zu verfügen. Das als „Karlsburg“ bekannte Gebäude, das ab 1804 auch „Zu den vier Türmen“ genannt wird, ist wohl durch den Trierer Architekten Johann Christoph Sebastiani errichtet worden.

    Der schlossartige Bau, der zu den ältesten in Bad Ems gehört und ursprünglich frei von umgebender Bebauung nahe der Lahn stand, steht mit seinen schlicht-vornehmen Formen in der Tradition des sogenannten „Trierer Barock“. Der mächtige, dreigeschossige Rechteckbau (31 m x 15 m) gehört mit seinen charakteristischen, vier turmartigen Aufbauten an den Ecken zu einem im 16. Jahrhundert häufigen Typus, der an die spätmittelalterliche bzw. antike Kastellburg erinnert. Während sein Untergeschoss massiv aufgeführt wurde, sind die leicht unterschiedlich hohen Obergeschosse ursprünglich aus Fachwerk errichtet worden.

    Das Grundstück hatte der Feldmarschall zuvor vom Trierer Erzbischof als Lehen erhalten. Durch die in Folge der französischen Revolution auch im Rheinland ausgelösten Kriegshandlungen wurde der Bau so beschädigt, dass er als unbewohnbar galt, als ihn 1804 der nassau-oranische Rentmeister und Badeverwalter Goedecke kaufte. Die Witwe des Badearztes Thilenius, der die Karlsburg 1817 erworben hatte, ließ das Haus dann später zu einem Hotel ausbauen. Ergänzt wurde es 1845 durch das nebenan errichtete Badhaus mit 30 von der Neuquelle gespeisten Bädern, das in dieser Funktion bis in die 1960er Jahre betrieben wurde. Seine vier Ecktürme gaben dem markanten, barocken Hauptgebäude seinen heute noch gebräuchlichen Namen. Einst logierte hier Prominenz wie Carl Maria von Weber und eine Reihe europäischer Könige. Für Zar Alexander II. waren die „Vier Türme“ um 1870 seine inoffizielle Sommerresidenz. 1956 wurde es von durch das Land Rheinland-Pfalz außen restauriert, innen aber komplett umgebaut. Dabei wurde unter anderem Fachwerkwände durch Mauerwerk ersetzt und auch eine Betondecke unterhalb des Dachstuhls eingezogen – diese düfte aktuell mit dafür gesorgt haben, dass das Gebäude nicht bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. In dem Gebäude befand sich zuletzt eine Außenstelle des Landesbetriebs Daten und Information Rheinland-Pfalz.

    Das Badhaus wurde 2008/2009 von zwei engagierten und heimatverbundenen Menschen, dem leider verstorbenen Friedel Jörnhs und dem Bad Emser Erich Krausbeck, mit viel Liebe und Enthusiasmus umgebaut. Im Badhaus entstanden in enger Zusmmenarbeit mit dem Denkmalschutz ein Restaurant, Geschäftsräume, und sogar ein Theatersaal mit Galerie und 180 Plätzen.

    Das Haus Vier-Türme sowie das Badhaus wurden an einen Bad Emser Medizintechnikunternehmer verkauft, seit Frühjahr 2023 wurde es mit „sehr viel Herzblut“ und in engster Abstimmung mit dem Denkmalschutz zu einem Hotel umgebaut, der Rohausbau im Inneren war am Brandtag so gut wie abgeschlossen. Ende 2024 sollte das Hotel mit der angeschlossenen Gastronomie im Badhaus wieder eröffnen.

    Quellen: burgdirekt.de / Geschichte der Stadt Bad Ems – Hans-Jürgen Sarholz/ freie Recherche

    Fotos: Freiwillige Feuerwehr Bad Ems (Aufnahmen von der Drehleiter) / 56aktuell

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