Neuwied testet erste faltbare Solaranlage Deutschlands

by Christin Maus

Neuwied | 01. Juli 2022 | (cm).  Wird das die Zukunft in der Energiebranche? Als erste deutsche Stadt testet Neuwied eine Innovation im Solaranlagenbereich. Die Servicebetriebe Neuwied wollen eines ihrer 1600 Quadratmeter großen Klärbecken überbauen – mit einer Solarfaltanlage, die bei Bedarf eingefahren werden kann. Los gehen soll es laut SBN im Dezember. Kosten: rund 800.000 Euro. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium fördert das Projekt mit bis zu 45 Prozent. Die Lebensdauer der Anlage beträgt 25 Jahre.

Die Technik dafür stammt aus der Schweiz. Für konventionelle Solaranlagen reichen die Flächen der Klärwerke nach Angaben von SBN-Vorstand Stefan Herschbach nicht aus. Das Überbauen der Klärbecken sei bisher nicht sinnvoll, weil starre Dächer den Betrieb beeinträchtigen. Das soll sich jetzt durch die Lösung mit dem Solarfaltdach „Horizon“ des jungen Unternehmens „dhp technology“ aus der Schweiz ändern. Die Module seien an Stahlseilen etwa 5 Meter über dem Beckenrand befestigt. Durch Schweizer Seilbahntechnik und den patentierten Faltmechanismus könne die Anlage wie eine Ziehharmonika eingefahren werden, wie SBN-Bereichsleiter Marco Madzgalla erläutert. Das Areal kann somit doppelt genutzt werden: Für den Betrieb des Klärbeckens und für die Erzeugung von Strom, der zu 100 Prozent vor Ort genutzt wird. Ein weiterer Vorteil: das Solardach kann sich selber vor Unwettern schützen. Durch integrierte Wetterstationen erkennt das Dach starken Wind und Hagel und fährt bei entsprechendem Wetter einfach in eine „Garage“.

Etwa 180.000 Kilowattstunden Strom werden mit dem Dach im Klärwerk I in Heddesdorf erzeugt. Laut Madzgalla trägt das dazu bei, die Versorgung aus regenerativen Quellen um weitere 9 Prozent zu decken.

Die Abwasserbeseitigung sei eine wichtige öffentliche Dienstleistung, die über Gebühren finanziert wird. Durch Innovationskraft und weitsichtiges unternehmerisches Handeln tragen die SBN entscheidend dazu bei, dass diese Gebühren auch in Zukunft bezahlbar bleiben, so Oberbürgermeister Jan Einig. Das sei ohne Frage ein Leuchtturmprojekt, das auch über Neuwied hinaus Strahlkraft hat.

In Fachkreisen hat sich das Vorhaben der SBN nach eigenen Angaben wie ein Lauffeuer verbreitet. Laut Aussage von Ingenieurbüros ist die Nachfrage nach dem Produkt seit einigen Wochen sehr stark gestiegen.

Quelle + Foto: PM Servicebetriebe Neuwied

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